Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 608 (sequence 7)
- Language
- German
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608 MENORAH XVI. „ üockzeitsfeiern. Jl ür viele Familien war die Zeit gekommen, ihre Kinder zu verheiraten. Arme Schlucker, mit einem halben Dutzend Madchen gesegnet, eine größer als die andere, waren jetzt aller Sorge ledig, denn für die Mitgift: Boden, Vieh und Wohnung, sorgte1 ja der Baron. Und was fehlte den heiratsfähigen jungen Leuten denn mehr als eine tüchtige Hau si'rau? Die Vorsehung tat das ihrige dazu. Feitel Schadehen trat auf den Plan, ein Jude aus Smotritsch. in Podolien. ein Typ, der für seine Mission wie geschahen war. Selbst von hagerer (ieslall, hatte er einen großen Adamsapfel, der unter seinem blonden Ziegenbart zum Vorschein kam und sich hastig hin und her bewegte, sobald er sprach. Aus seinem sewarzen Frack, den ihm das Berliner Komitee geschenkt hatte, sahen immer zwei weiße Ärmel hervor. Er hielt zu jeder Zeil ein wie ein Schachbrett mit Rechtecken bemaltes Taschentuch in der Hand, mit dem er sich, bei der so schwierigen Arbeit, geeignete Paare zu finden, den Schweiß aus der Stirne wischte. ,.Ich, Feitel, habe beim Herrn der Welt den Schlüssel herausgelockt!" pflegte er scherzweise zu sagen. Er lief zwischen den Zelten und Hütten herum, machte jüngere und altere Männer ausfindig, die er mit geschiedenen Frauen und Mädchen zusammenpaarte: und unentgeltlich, bloß der gottgefälligen Tat wegen, sorgte er für die Erhaltung der jüdischen Art. Später jedoch sollte ihm der Lohn dafür beschieden sein: der große Gott, dem das Wohl der Welt am Herzen liegt, sowie daß sein Segen Vermehret euch und seid fruchtbar'* in Erfüllung gehe, hatte Feitel ehrlich belohnt. Er besitzt jetzt drei Häuser in Chicago, ist Fabrikant von Damenkleidern und heißt: Mister F. Katz. Die erste Hochzeit fand statt. Der Bräutigam hieß Joßl Steinschläger und die Braut Feige: beide stammten aus Proskurow in Podolien. Es war vor Purim. Eine wunderschöne Nacht. Der Mond leuchtete so hell und klar, daß man Perlen zählen konnte. Ich saß mit meiner Frau neben unserer Hütte, und wir besprachen die Vorbereitungen für das herannahende Pessachfest. Plötzlich sah ich eine Gruppe von Leiden, die vor den Zellen umhergingen, sie kamen immer näher heran und hielten vor meiner Tür. Ein kleingewachsener Mann, ein Bekannter namens Awreml Bosenfeld, trat ein und wandle sich mit folgender Bitte an mich: