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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 596

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Beginnende Abkehr von der Großstadt
Date
1929-11-01
Page
Seite 596 (sequence 2)
Language
German
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596 MENORAH Cleveland ...... 85.000 Detroit ....... 75.000 Baltimore ...... 08.000 Los Angeles...... 65.000 Newark....... 65.000 Pittsburg....... 50.000 St. Louis....... 50.000 Im Jahre 1917 haben 92*5% der gesamten amerikanischen Judenheit in den Nordstaaten gelebt, in dem Jahre 1927 bloß 90*39%. In den Oststaaten, also in jenen Gegenden, in denen weniger der Großfabriksbetrieb vorherrscht, gab es im Jahre 1917 3-16%., fLm Jahre J927 bereits 4*26% des nordamerikanischen Judentums. Aus den gebrachten wenigen Daten ist jedenfalls zu ersehen, daß das frühere Bestreben der Juden, in den Nordstaaten Amerikas sich in den Großstädten zu konzentrieren, eine Änderung erfahren hat, und daß allmählich die Juden jene Teile der Großstädte, in denen die Fabriken sich befinden und die Juden sich bisher niedergelassen haben, von ihnen verlassen werden, und daß sie entweder in Teile übersiedeln, wo der Sitz des Handels und Vermittlertums ist, oder in Gegenden, die man nach amerikanischen Begriffen als Kleinstädte oder Dörfer bezeichnen kann. Diese Wandlung in der Siedlungsform und in der wirtschaftlichen Funktion der Juden ist leicht erklärlich. Die Juden waren nämlich bis zum Zeitpunkte, in dem Amerika in den Weltkrieg eintrat, vornehmlich in der sogenannten Na'dielindustrie beschäftigt, jener Industrie, die auf dem sogenannten Schwitzsystem aufgebaut ist, das die starke Zuwanderung von Juden aus den europäischen Ländern zur Basis hat, um durch immer neu einwandernde billige Arbeitskräfte den niedrigen Lohnstandard aufrecht zu erhalten. Der Krieg, sowie die Gesetzgebung nach Beendigung desselben (zum Teile auch die durch den Patriotismus hervorgerufene Rückwanderung von Angehörigen kriegführender Mächte) hatte zur Folge, daß die Einwanderung in die Vereinigten Staaten Nordamerikas gestoppt wurde. Es fehlten daher trotz der durch starken Kapitalszulluß und erwartete Vergrößerung der Absatz markte gesteigerten Produktion Arbeitskräfte, Die Industrien waren genötigt, sich diesen Verhältnissen anzupassen: Menschliche Kräf te wurden durch Maschinen ersetzt und die Rationalisierung besonders straff durchgeführt. Im letzten Vorkriegs jähre stellten in der Nadelindustrie die Juden 65% aller Arbeiter, heute bilden sie kaum 35%'. Die heranwachsende Generation der amerikanischen Judenheit mußte sich diesen neu geschaffenen Verhältnissen anpassen. Dies kam auch ihrem Wunsche nach Selbständigkeit und dem Aufsteigen in eine höhere soziale Schichte entgegen. Die Vermehrung der Produktion rief einen großen Bedarf an Vermittlungsfunktionen (Groß- und Kleinhändler, Agenten, Reisende usw.) hervor. Die Juden gingen vielfach in diese Berufe über. Auf diese Erscheinung weist Louis M. Hacker in seinem in der Zeitschrift „The Jewish Social Service Quarterly" (Philadelphia 1929) erschienenen Aufsatz „Das Dilemma des jüdischen Hilfswerkes" hin; er drückt dies folgendermaßen aus: „Der ökonomische Druck in den Großstädten vertreibt aus ihnen die angesessenen jüdischen Familien, die noch immer hoffen, von ihrem jetzigen Stand des Arbeiters zur Stufe eines Mittelständlers aufzusteigen, das heißt Krämer, Kaufmann, Agent u. dgl. zu werden. Man muß bedenken, daß Tausende junger Juden jährlich einsehen, wie schwer es ist, sich ökonomisch in den großen, dicht besetzten Städten auf eigene Füße zu stellen; dies erfordert viel zu großes Kapital und auf fast allen Gebieten ist die Konkurrenz kaum zu überbieten. In den kleineren Orten jedoch, deren wirtschaftliche Organisation noch schwach ist, kann ein junger, energischer und fähiger Unternehmer noch immer eine Chance finden. Es läßt sich keinesfalls leugnen, daß dies eine der wichtigsten Ursachen dafür ist, daß jetzt eine so starke Auswanderung von Juden in die Provinz erfolgt." Tatsächlich wurden in kaum zehn Jahren Tau sende von jüdischen Arbeitern in Agen-

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