Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Beginnende Abkehr von der Großstadt
- Date
- 1929-11-01
- Page
- 597 (sequence 3)
- Language
- German
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len, Makler, Händler und Kontorbeamte umgewandelt. Neben dieser Abkehr und gleichzeitiger Rückkehr vom unmittelbaren Produktionsprozeß zur Vennittlertätigkeit geht gerade in den Vereinigten Staaten eine erfreulich verstärkte Anteilnahme von Juden an der landwirtschaftlichen Produktion einher. Seit 1917 ist die Zahl der jüdischen Farmer von einigen hundert Familien auf 18.000 angewachsen, mit rund 80.000 Seelen, die über eine Million Acres bearbeiten. Diese Erscheinungen, welche den eingangs erwähnten, von Leschczinsky verfochtenen Anschauungen widersprechen, sind schon deshalb beachtenswert, da sie sich bisher nur bei den Juden in den Vereinigten Staaten zeigen. In Europa hält der Zustrom der Juden aus den kleinen Orten in die Großstädte noch immer an. Neben dem gesamten wirtschaftlichen Aspekt, der sich daraus ergibt, hat diese Erscheinung auch insofern Bedeutung, als die Erfassung der jüdischamerikanischen Gelder für das Hilfswerk unter den europäischen Juden komplizierter wird. Mutter! Mutter ist keinen Abend zu Haus. Mutter hat's gut. Mutter sieht gar nicht jüdisch aus. Mutter weiß, was sie tut. Mutter trägt immer ein schickes Kleid. Mutter treibt sehr viel Sport. Mutter hat für uns keine Zeit. Mutter reist ohne uns fort. Mutter hat sich mit Vati gezankt. Mutter lacht ohne Grund. Mutter wird telephonisch verlangt. Mutter streichelt den Hund. Mutter spricht so schön, wenn sie will. Mutter probiert einen Hut. Weine nicht, Bruder, sei groß und still. — .Sie weiß nicht, was sie tut. Ha n s Fr ank chaim surm Er ist ein Barbar. Wild und ungebändigL Von roher, primitiver Kraft. Doch einer Riesenkraft. Wenn in den großen Pariser Ausstellungen, wo Menschen aus aller Welt alle erdenklichen Gedanken, Gefühle und Empfindungen, auf alle mögliche Art gestaltet, der Schau übergeben, das Auge einem Bild von Sutin begegnet, merkt man es. Hier ist einer, der nie gelernt hat, sich sittsam und ruhig zu benehmen, einer, dem es bestimmt nicht auch nur gesagt wurde, oberstes Gesetz sei es, nicht aufzufallen. Bei den andern ist der Schrei noch Kultur und von Dressur zeugt auch noch ihre Raserei. Selbst wenn sie gegen Käfig und Ketten wüten, tun sie es mit Methode und kennen augenscheinlich gut che Regeln, die sie umstoßen und unter lautem Johlen begraben wollen. Er aber ist keiner Zucht entronnen. Sie hat ihn nicht flügellahm gemacht, aber auch nicht zur Tiefe gezwungen, wie so manche derer, die sie formte. Unberührt ist er von ihren Regeln, ein Fremder in der Welt, die sie regiert. Kommt ihm etwas in die Quere, dann wirft er es um mit der unbekümmerten Harmlosigkeit des Ungescheuten und führt der kürzere Weg über Gräber, dann geht er ihn getrost, ohne auch nur zu ahnen, daß hochachtbare Ahnen hier ruhen, denen zu Ehren ein Umweg geboten ist. Er stammt aus einem fernen Land an der äußersten Grenze europäischer Zivilisation und kommt aus einem Milieu, das ganz außerhalb jener Kultur liegt. Ein kleines jüdisches Städtchen in Litauen ist seine Heimatstadt. Gehetzt und von Not bedrängt, fristen dort verängstigte Menschen ein trauriges Dasein. Einer der ärmsten war sein Vater. Kein Bild ist je in Sutins düstere Kindheit gedrungen und nie vernahm er lockende Kunde von Kunst und Künstlertum. Wie mag es geschehen sein, daß bunte Stifte zu besitzen, der Traum seines kleinen Herzens wurde? Was für Gesichte mochten das ein-