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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 585

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Im Exil
Date
1929-11-01
Page
Seite 585 (sequence 3)
Language
German
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IM EXIL 585 und wenn er müde von der Arbeit heimkam, so war ihm alles fremd, fremd die Umgebung, die Bekannten, seine Frau und sogar seine Kinder. Kam er doch einmal in eine Gesellschalt, in der man russisch sprach, so genügte es, daß zwei oder drei Gläschen Schnaps getrunken wurden; man begann jüdische Lieder zu singen, bis die Ohren schmerzten. Wolkofl' hörte nur ein ,,Aj, ah, aj, waj", und begriff nicht, wie seine Grischenka mit geröteten Wangen mit einstimmen konnte. Er hatte bemerkt, daß die Verwandten seiner Frau ganz besonders den kleinen Wanja ins Herz geschlossen hatten, ein blasses Kind mit feingeschnittenen Zügen. Sie fanden, er habe den „Familienzug*4. Wolkoll betrachtete den Knaben genau, forschte in seinen Zügen und suchte nach einer Ähnlichkeit mit sich, doch er fand keine. So stellte er denn fest, Wanja sei ein kleiner „Judenjunge" und seine Liebe wandte sich Petja zu. Er empfand innige Freude, daß Petja ein lebhaftes Kind war, dem flachsblondes Haar in die hellen Augen fiel, wie seinem Vater. Wolkoll freute sich, daß Petja spottend den Tanten nachahmte, wenn sie alle zusammen Jiddisch sprachen, und er begann sich mehr mit ihm zu befassen. Als Wolkoll nun seinem Petja zusah, wie er die Nüsse in Silberpapier wickelte, da erinnerte er sich daran, daß er selbst einst so daheim gesessen war und die Tanne schmücken half. Ein warmes Heimatgefühl erwachte in ihm und er rief: Komin' her, Petja!" Der Knabe ließ die Nüsse und warf sich in des Vaters geöffnete Anne: „Papa! Papa!" „Weißt du, Petja. daß du ein Rechtgläubiger bist?" Das Kind verstand nicht, was der Vater meinte, und öifnete fragend die großen blauen Augen. „Ein Rechtgläubiger bist du, Petja! Ein Rechtgläubiger! Deine Vorfahren haben Zaryzin erbaut, sie haben nicht in einer Mietkaserne unter lauten Juden gewohnt; und deine Großmutter Anastasia ist in der Christnacht nicht Juden zum Feste laden gelaufen, wie deine Mutter! Adel, ebenbürtiger Adel ist zum Fest gekommen, nicht solches Gesindel!" Wolkofl küßte und halste Petja. Zum ersten Male begann er ihm von Jesus zu erzählen, vom Tode des Heilands, den Juden gekreuzigt hatten; er erzählte ihm alles haargenau, wie es aus der Knabenzeit in seinem Gedächtnis haften geblieben war. Und als er Tränen in Petjas,

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