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Menorah · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 577

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Article
Jüdische Bevölkerungspolitik
Date
1929-11-01
Page
Seite 577 (sequence 10)
Language
German
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JÜDISCHE BEVÖLKERUNGSPOLITIK 577 tragbar angesehen wird. Wir begrüßen diese Forderung, denn wenn hier wirklich etwas Durchgreifendes erreicht werden soll, so muß ganze Arbeit geleistet werden, man darf sich nicht durch kleine Mittel zersplittern, mit denen schließlich doch nicht der gewollte Erfolg erzielt wird, wie man an dem Beispiel der französischen Bevölkerungspolitik ersehen kann. In engem Zusammenhang mit der Geburtenpolitik steht die Förderung der Eheschließungen. Je mehr neue Ehen geschlossen werden, eine um so größere Zahl von Kindern darf erwartet werden, da eben gerade die jungen Ehen für die Fortpflanzung am meisten in Betracht kommen. Diese Seite des Problems ist im Programm etwas stiefmütterlich behandelt worden. Es verlangte ursprünglich bloß die Errichtung von Eheberatungsstellen und die Förderung der Frühehe. Ob neben den allgemeinen Eheberatungsstellen noch das Bedürfnis besteht, besondere jüdische Eheberatungsstellen zu errichten, mag bezweifelt werden. Was die Forderung der Frühehe anlangt, die vom jüdischen Frauenbund schon seit Jahren propagiert wird, so ist diese in der Theorie durchaus berechtigt, in der Praxis stellen sich ihrer Durchführung gerade in der Gegenwart fast unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen. Auf meinen Antrag wurde wenigstens noch in das Programm aufgenommen, daß alle Maßnahmen unterstützt werden sollen, welche zur Schließung jüdischer Ehen führen; mein weiterer Vorschlag, die direkte Bekämpfung der Mischehen in das Programm aufzunehmen, ist jedoch nicht akzeptiert worden. Es ist bedauerlich, daß dem Mischeheproblem nicht die Bedeutung für die jüdische Bevölkerungspolitik und für die Abnahme der jüdischen Bevölkerung zuerkannt wird, wie sie es verdient und wie sie oben von uns geschildert wurde. Jüdische Bevölkerungspolitik treiben, ohne gleichzeitig den Kampf gegen die Mischehen aufzunehmen, ist eine halbe Sache. Im vorigen Jahr hatte der preußische Landesverband jüdischer Gemeinden in richtiger Erkenntnis der wachsenden Gefahr durch die Mischehen beschlossen, eine große Versammlung einzuberufen, in welcher das Problem nach allen Seiten behandelt und die Maßnahmen zur Abhilfe vorgeschlagen werden sollten. Es hat den Anschein, daß wirksame Einflüsse, die augenscheinlich Scheu trugen, das Problem in der weiteren Öffentlichkeit zu behandeln, am Werke gewesen sind, das Zustandekommen der Aktion zu verhindern. Diese Vogel-Strauß- Politik wird dem Judentum nicht zum Vorteil gereichen.

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