Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Jüdische Bevölkerungspolitik
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 573 (sequence 6)
- Language
- German
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JÜDISCHE BEVÖLKERUNGSPOLITIK 573 Generation dem Judentum verloren, ja, in vielen Fällen läßt sich, wie ich nachgewiesen habe, der jüdische Partner1) in der Mischehe taufen, so daß alsdann im statistischen Sinn keine Mischehe mehr vorhanden ist. Um die Verluste, welche aus den Mischehen dem Judentum erwachsen, voll würdigen zu können, braucht man nur zu erwägen, in welchem Maße die Zahl der jüdischen Ehen und Geburten vermehrt würde, wenn die vielen tausende Juden und Jüdinnen statt mit Nichtjuden die Ehe mit eigenen Volksgenossen eingehen würden. Diese ungünstige, sich immer mehr zuspitzende Entwicklung war seit Jahrzehnten bekannt, und von privaten Schriftstellern ist auch eindringlich auf die Gefahr hingewiesen worden, welche sie für den Bestand des Judentums bedeutet. Man hat jedoch diesen Warnungen wenig Beachtung geschenkt; erst in den letzten Jahren ist die gesamte Öffentlichkeit auf sie aufmerksam geworden; die jüdische Bevölkerungspolitik erhält jetzt mehr und mehr einen offiziellen Charakter. So hat der preußische Landesverband jüdischer Gemeinden einen bevölkerungspolitischen Ausschuß eingesetzt. Dieser hat am 24. Februar dieses Jahres eine Konferenz in Berlin abgehalten und dort ein bevölkerungspolitisches Programm aufgestellt. Die Arbeiten dieser Konferenz: Referat, Diskussion, Feststellung des Programms und Beratung desselben wurden in fünf Stunden erledigt. Das war etwas reichlich kurz. Zu einer wirklich gründlichen Behandlung des ungeheuren Fragenkomplexes wären ebenso viele Tage notwendig gewesen. Immerhin ist ein Anfang gemacht, es ist eine Zentralstelle geschaffen, es kann weitergearbeitet werden. Das Programm bejaht die Notwendigkeit, durch eine einheitliche, starke, zielbewußte umfassende jüdische Bevölkerungspolitik Kraft und Zahl der Judenheil zu erhallen und macht in Konsequenz dieser These eine Reihe positiver Vorschläge, respektive stellt entsprechende Forderungen auf. Nicht alle Kreise des Judentaims bekennen sich zu dieser optimistischen Einstellung und sind davon überzeugt, daß eine jüdische Bevölkerungspolitik mit Erfolg betrieben werden könne. Es ist zweckmäßig, auch deren Anschauungen kennen zu lernen. Diese Schichten weisen darauf hin, daß das Übel schon zu weit eingefressen sei, als daß es noch möglich wäre, es auszurotten. Die Geburtenziffer bei den Juden ist seit fünfzig Jahren in ständiger Abnahme begriffen, bei der Gesamtbevölkerung seit fünfundzwanzig Jahren, sie ist bei letzterer erst neuerdings eine aligemeine Erscheinung geworden. Der Jude assi- M Hanauer, die jüdisch-christlichen Mischehen, Allgem. statistisches Archiv, 1928, S. 5l3r abgedruckt auch im Jüd. Jahrbuch, 1929, S. 57,