Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Jüdische Bevölkerungspolitik
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 572 (sequence 5)
- Language
- German
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572 ME N O RAH Es sind aber nicht allein die Geburtenbeschränkungen, welche am Mark des jüdischen Volkes zehren, es gibt noch andere Faktoren, welche die Volkszahl dezimieren. Das sind die Taufen, die Austritte und die Mischehen. Die Zahl der Taufen und Austritte ist zahlenmäßig nicht genau bekannt; ich habe die Empfindung, daß diese keine übermäßige ist. Anders verhält es sich mit den Mise hehen, deren Zahl steht genau fest und sie bedeutet einen ungeheuren Schaden, der noch zu sehr unterschätzt wird und der vielleicht dem durch die Geburtenabnahme veranlaßten nicht nachsteht. Von 1901 bis 1927 sind im Deutschen Reiche 32.990 Mischehen geschlossen worden, gegenüber 100.104 rein jüdischen Ehen. Auf hundert rein jüdische Ehen entfielen daher im Durchschnitt etwa 33 Mischehen. Die ungeheure Zunahme der Mischehen ergibt sich daraus, daß, während in den Jahren 1901 bis 1905 die Zahl der geschlossenen Mischehen 3522 betrug, ihre Zahl von 1921 bis 1925 auf 8896 anstieg. Die Zahl der Mischehen ist also in fünfundzwanzig Jahren um das 21/2fa.che angewachsen. 1901 bis 1905 entfielen auf hundert reine jüdische Ehen 18 Mischehen, 1921 bis 1925 42. Jeder dritte Jude oder Jüdin, die heiraten, gehen eine Mischehe ein. Es ist daraufhingewiesen worden, daß die Zahl der Mischehen in den letzten Jahren abgenommen habe, daß daher die an die Mischehen geknüpften Befürchtungen nicht mehr zuträfen. Diese zahlenmäßige Abnahme ist zwar richtig, aber sie erfolgte nicht aus inneren Gründen, aus bewußt zunehmender Abneigung gegen die Mischehen, sondern aus äußeren wirtschaftlichen Gründen. Denn die Abnahme der neu geschlossenen Mischehen geht parallel der Abnahme der ZilTer der rein jüdischen Ehen. Von der Erschwerung der Eheschließungen durch die wirtschaftlichen Verhältnisse sind beide in gleicher Weise betroffen worden. Ein anderer Autor hat zum Trost darauf hingewiesen, daß auch bei den christlichen Konfessionen die Zahl der Mischehen im Zunehmen begriffen sei. Wenn dies auch richtig ist, so ist doch die Bedeutung der christlichen Mischehen eine ganz andere wie die der jüdischen. Wenn Protestanten und Katholiken eine Mischehe eingehen, so sind die Kinder immer wieder Christen und Deutsche, der germanischen Rasse und der christlichen Religion geht kein Glied verloren. Anders beim Judentum. Nur höchstens ein Viertel der aus jüdischchristlichen Mischehen stammenden Kinder wird dem Judentum zugeführt, der größte Teil dagegen der christlichen Religion; in der Regel gehen auch die in den standesamtlichen Anmeldungen zunächst •als Juden bezeichneten Abkömmlinge aus Mischehen in der zweiten