Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Article
- Jüdische Bevölkerungspolitik
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 570 (sequence 3)
- Language
- German
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570 MENORAH dazu noch vielmehr berechtigt wären, weil ihnen die notwendigsten Existenzmittel fehlen, die Kinder aufzuziehen, und sie handeln dann entsprechend diesen Erwägungen. Die Bevölkerungslage Deutschlands wird daher von Sachkennern äußerst trübe beurteilt, und es wird darauf hingewiesen, daß der trotz der rapiden Geburtenabnahme noch zu verzeichnende Geburtenüberschuß nur eine Scheinblüte bedeute. Dieser ist darauf zurückzuführen, daß die Sterblichkeitsziffer gegenwärtig noch sehr niedrig ist. Das beruht aber auf der geringen Geburtenziffer und der geringen Säuglingssterblichkeit und darauf, daß die mittleren lebenskräftigen Altersklassen in großer Zahl vorhanden sind. Werden die letzteren aber erst in die höheren Altersklassen einrücken, ohne daß für entsprechenden Nachschub gesorgt wird, so wird eine starke Überalterung der Bevölkerung eintreten, die Sterblichkeit muß dann automatisch zunehmen, der Geburtenüberschuß negativ werden, und eine starke Abnahme der Volkszahl wird die unausbleibliche Folge der ungünstigen Bevölkerungsbewegung sein. Diese einleitenden Bemerkungen waren, ehe wir zur Betrachtung der Bevölkerungsverhältnisse der deutschen Juden übergehen, notwendig, weil diese nicht isoliert für sich betrachtet werden können, vielmehr nur im Zusammenhang mit der allgemeinen Bevölkerung und weiter, weil sich aus diesen Feststellungen gewisse Lehren für die jüdische Bevölkerungspolitik ergeben. Es gilt heute schon beinahe als ein statistisches Gesetz, daß die Bevölkerungsentwicklung der Juden der allgemeinen vorausgeht, so daß sie gleichsam als Barometer der letzteren bezeichnet wird. Hinsichtlich der Geburtenentwicklung wird dies durch folgende Zahlen bestätigt. Die Geburten zitier der preußischen Juden läßt sich über hundert Jahre zurückverfolgen. Sie betrug 1822 bis 1840 auf 1000 der jüdischen Bevölkerung 35*4, 1841 bis 1866 34*7, 1876 bis 1880 31-7, 1881 bis 1900 24*8, 1901 bis 1905 18-5, 1906 bis 1910 17*8 und 1925 13*0. Bei der christlichen Bevölkerung wTaren die Geburtenziffern in den gleichen Zeiträumen: 1822 bis 1840 40'1, 1841 bis 1866 39*5, 1880 bis 1900 38-2, 1921 26*3, 1925 20*9. Es ergibt sich aus diesen Zahlen, daß in den achtzig Jahren von 1820 bis 1900 die Geburtenziffer bei der christlichen Bevölkerung nahezu konstant geblieben oder nur ganz unmerklich abgenommen hat. Die Geburtenziffer bei den Juden fiel jedoch von 35*4 auf 21*4. Das zweite Ergebnis dieser Berechnung ist, daß die Geburtenziffer bei den Juden stets niedriger war wie bei den Christen. Aber während