Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Gustav Landauer
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 525 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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GUSTAV LANDAUER 525 spearc nicht das Werk als Objekt der Forschung, er sucht darin den Menschen als Sinnbild der Schöpfung. Er verlieft sich nicht mit grübelndem Eifer in das Buch, sondern er versenkt sich liebevoll in dessen Gestalten. Nicht das Wort, auch das künstlerische nicht, ist ihm die Hauptsache, sondern der Mensch, der das Wort sprichl, der es im Auftrage des Dichters ausspricht. So knüpft Landauer vom Buch über den Dichter hinweg die Fäden zum Leben und zur Wirklichkeit, liier, in diesem Werke, wie auch sonst überall in seinen Schrillen, hat der Mensch dem Literaten obgesiegt. Aus allen seinen Büchern spricht der Mensch, der starke, edle Geist dieses Menschen zu uns: das macht es, daß bei ihm auch das geschriebene Wort lebendig wirkt. Wer den Menschen, den Schriftsteller, den Revolutionär Gustav Landauer näher kennengelernt hat, dem wird auch Landauer der Jude nicht mehr unbekannt sein. Wie er alles, was er war, vornehmlich im Geistigen war, so war er auch Jude im Geiste. Das will sagen: Gustav Landauer war nicht ein geistiger Jude, sondern ein Jude im Geiste. Der Unterschied ist wesentlich; zum ersten gehört die Kenntnis vom Judentum, zum andern lediglich das Wissen um das Judesein. Landauer besaß dieses Wissen, er war sich zutiefst seines Judeseins bewußt, er fühlte in sich den Wellenschlag seines von Blut und Seele gespeisten jüdischen Wesens; in ihm lag, um es kurz und klar auszudrücken, eine jüdische Bewußtheit, die mini freilich mit jüdischem Bewußtsein nicht verwechseln darf. Ihm fehlte vor allem jene Dosis unbewußtes Judentum, ohne die es ein jüdisches Bewußtsein nicht geben kann. Deshalb vermissen wir auch an dem Juden Landauer die innere Geschlossenheit, jene bis zur letzten Folgerung fortschreitende Unbedinglheil, die sein Wesen in jeder andern Gestalt auszeichnet. Landauer bekannte sich zum jüdischen Nationalismus. Er war jüdischer Nationalist ----- das Wort ..Nationalist** in seinem reinen, kreditfähigen Sinne genommen —. in gleicher Weise war er deutscher Nationalist, überdies fühlte er sich auch, lokalpatriolisch, einer süddeutschen Nation zugehörig (vergl. Brief an Max Neltlau vom *23. Januar 1913). Man sieht, Landauer faßt den Begriff Nation einerseits zu eng, anderseits zu weit, und schallt sich somit die Möglichkeit, ein ..mindestens dreifacher Nationalist ' zu sein. Seine Grundanschauungen über das Judentum oder über das. was ihm als das Wesentlichste am Judenproblem beschäftigte, hat Gustav Landauer in seinem ,,Sind das Ketzergedanken'?*' betitelten Aufsalz in dem Sammelbuch „Vom Judentum'", in seiner in der Zeitschrift „Freistatt" erschienenen Abhandlung ..Zur Poesie der Juden"