Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Gustav Landauer
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 526 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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526 MENORAH und mein*fach auch in andern Artikeln niedergelegt. Im Briefwechsel sind es namentlich Julius Bai) und Fritz Mauthner, mit denen er sieh über sein Judentum auseinandersetzt. In einem vom 20. September HM3 datierten Briet an Julius Bab linden wir eine Stelle, die gleichsam den Extrakt von Landauers Anschauungen über jüdischen Nationalismus enthält. Bab hatte geschrieben: ..Grundlage aller vernünftigen Berechnung bleibt doch Erkenntnis der gegenwärtig existierenden Spannungen." Darauf antwortet Landauer: „Das ist's ja gerade, daß ich diese nichteuropäischen, orientalischen, uralten Spannungen in mir. in uns Juden gegenwärtig spüre! Nein, wir sind in dieser Sache noch nicht über das Wesentliche einig, holten wir. daß wir es werden. .Daß Menschheit Ziel, Jude oder Deutscher nur Wege sind " das könnte ich nie sagen. Dies .Ziel* und diese1 .Wege' gehören mir durchaus untrennbar zusammen, und selbst wenn ich gelegentlich scheiden würde, würde ich nie ,n u r Wege* von diesem wesenhaften Teil meiner Individualität sagen. Von außen betrachtet heißt die Reihenfolge freilich: Individuum Volk Menschheit: innen aber, in meiner Individualität geht's umgekehrt zu: da bin ich, um noch weiter auszuholen, erst ein Tier dann ein Mensch dann ein Jude, Deutscher. Süddeutscher dann dieses besondere Ich. Das Ziel Menschheit erstreben wir als äußeres Gebilde: der Weg dahin führt nicht bloß über unser Menschtum. sondern vor allem über unsere dilVerenzierle Nationalität, die schon zu Individualdifl'erenziening gehört." Von einem andern Gesichtspunkt aus entwickelt er denselben Gedanken in einem Briefe an Fritz Mauthner. Dieser hatte geäußert, er fühle sich nur ein Deutscher, weiß aber dabei, daß sein Gehirn ..irgendwie einen Ductus hat. den man jüdisch nennt": daraufschreibt Landauer (Brief vom 20. November 1913): Darum, ob Du die Eigenschaft des Jüdischen einen .Duktus des Gehirns' nennst und etwa das Wörtchen ,nur" hinzufügst, handelt es sich doch wohl nicht, sondern darum, daß Du. indem Du diesen Duktus jüdisch nennst, nicht bloß von einem Zug sprichst, der Dir individuell eignet, sondern von einem, der Dir mit einer Anzahl Menschen gemeinsam ist. Und, welchen Wert ich dieser, von gemeinsamer Geschichte stammenden Gemeinschaft beilege, das