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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 524

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Gustav Landauer
Date
1929-09-01
Page
Seite 524 (sequence 5)
Language
German
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524 MENO R A II dauer als Revolutionär war ein ins Edelste gekehrter Max Stirner, der seine Sache nicht auf das große, sondern auf das geistige Ich gestellt hatte, auf die Herrschaft des Geistes. Landauer suchte die neue Gemeinschaft aber er verstand darunter eine Gemeinschaft nicht gleicher, sondern gleichherrlicher Menschen. In einem Briefe an Margarete Susman spricht er einmal, allerdings in einem andern Zusammenhange, von der „Gemeinschaft, die nicht wird durch ein Begründen im Äußern, sondern so, daß Einzelne sich nach der Kraft, die ihnen wurde, in sich vollenden" und dann auf dem Scheitelpunkt der Reife fest zusammenballen. Diese Worte könnte man als die knappeste Formel für den ganzen Landauerschen Sozialismus verwenden. Es versteht sich, daß ein solcher Revolutionär, der die Herrschalt des Geistes anerkennt und das höchste Glück in der in sich selbst verwirklichenden Persönlichkeit erblickt, unter Revolution ganz etwas anderes verstellt, als es gemeinhin verstanden wird. Nicht durch Sturm und Drang, nicht durch Kampf und Krieg will er zum erstrebten Ziele gelangen; er sucht es „auf den Wegen des Friedens". Die Revolution, die er meint, ist Umwälzung ohne Aufruhr, Umgestaltung ohne Gewaltsamkeit, ist ein Wechsel der Ordnung, wie er sich einzig durch den Geist, des Rates und der Einsicht vollziehen kann. ,,Wir wollen dem Geist die Wege bereiten!'* —- so lautet Gustav Landauers Revolulionsprogramm. Als Schriftsteller ist Gustav Landauer ein geistig Schallender eigensten Gepräges. Es ist immer sein eigener Geist, der in seinen Büchern leuchtet. Er verölTentlichtc einen Roman ..Der Todesprediger", einen Novellenband „Macht und Mächte", die programmatischen Schriften „Ein Weg zur Befreiung der Arbeiterklasse" und „Aufruf zum Sozialismus", eine Monographie „Die Revolution", die gedankenträchtigen Bücher über „Skepsis und Mystik" und über „Meister Eckharts mystische Schriften" und das lehrreiche, durchaus nicht lehrhafte — Shakespeare-Buch. Nach seinem Tode gab Martin Buber zwei Sammelbände mit Landauerschen Essays unter dem Titel „Beginnen" und ..Der werdende Mensch" heraus. Was auch Landauer anfassen, worüber er auch schreiben mag, immer gelingt es ihm, den Gegenstand mit den hellsten, feinsten Geistesstrahlen zu durchleuchten. Bemerkenswert und für den Schriftsteller Gustav Landauer besonders kennzeichnend ist sein Buch über Shakespeare. Es ist ein herrliches, höchst eigenartiges Buch, eigenartig schon deshalb, weil es den Schematisierern schwer fällt, es in ein bestimmtes Fach einzuordnen, einer bestimmten Gattung zuzuzählen. Gustav Landauer sucht in Shake-

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