Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Gustav Landauer
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 523 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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GUSTAV LANDAUER 523 quält mich doch die Angst, da ich Sic nur einmal gesehen, es könne sich verwischen. Ich bitte Sie um Ihr Bild." Auffallend ist, wie seilen Landauer in seiner Wortwahl die gemäßigte Wärmezone überschreitet. ,.Ich zwinge mich, matte Worte zu brauchen,'* schreibt er einmal an Hedwig. Mir will es scheinen, die Geisligkeil in ihm zwang ihn, sich nicht in Leidenschaft und leidenschaftlichen Worten auszugeben. Nie kann sich Landauer dazu verstehen, einen llerzenserguß in ein klangreiches Liebeslied zu fassen, obschon er. wie man aus einem Briefe an Hugo Landauer erfährt, im stillen Kämmerlein seine Hedwig angedichtet hat. Selbst so ein kühler und stahlharter Denker wie Karl Marx hat seiner -.treu geliebten .Jenny v. Weslphalen" zwei starke Hefte mit Liebesliedern im Manuskript gewidmet. Landauer aber, wenn er von Gefühlen überströmt und sich gedrängt fühlt, seiner Geliebten etwas Schönes in gebundener Rede zu sagen, so traktiert er sie mit Goethischen Versen, mit Gedichten von Goethe. Einmal schwingt er sich wirklich zu einigen Lyrismen auf; da schreibt er sehr schön (Brief vom 7. August 1900): ..Ein wunderbares, goldenes Leuchten am Himmel und im Dämmern der ewige Bogen ausgespannt, und ein scharfes Schreiten durch die Matten und reifen Ährenfelder, und in mir drinnen fühl ich Stärke und Jauchzen -— ich habe Sie doch so unmäßig lieb! Aber eigentlich geht Sic1 das nichts an." Doch auch dies ist wiederum nur Goethe. -—Es gibt nun in der Sammlung einige (nicht an Hedwig Lachmann gerichtete) Liebesbriefe, -— es handelt sich hierbei um eine dritte, kurze Liebesepisode im Leben Gustav Landauers . die unserer Deutung zu widersprechen scheinen. Das sind echte Liebesbriefe voll Sinnenglut und leidenschaftlicher Begierde. Aber gerade in diesen Briefen linden wir den aufschlußreichen Bekenntnissatz: ..Ist doch diese Sinnlichkeit (die Sinnlichkeit, die seine Liebe ersehnt und braucht) nichts anderes, nur der lebendigste, der stärkste Ausdruck für den Geist, der in uns eins ist. den wir in uns lieben." Dieser Mann mit dem Kopf-Herzen war eigentlich ein gläubig veranlagter Idealist, ein Edelmensch, der immer strebend sich bemühte, durch den Geist eine neue Welt und eine neue Erde zu formen. Er glaubte an sich, an seinen Persönliehkeitswert und daran, daß er im Leben eine hohe Aufgabe zu erfüllen habe. ,,In mir lebt etwas, das mir höber ist als altes andere", bekennt er bereits als Student in einem seiner Briefe. Gleichzeitig war er stark im Glauben an die Menschheit. Aus gesteigertem Selbstbewußtsein und starkem Menschheitsglauben erwuchs ihm sein Revolutionsideal. Gustav Lan-