Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Gustav Landauer
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 522 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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522 MENORAH Gustau Landauer ^Iit freundlicher Genehmigung des Verlages Hütten & Loening. Frankfurt a M. Nichts vielleicht ist für den Geislesmenschen Landauer so sehr he zeichnend als die Briefe, die den Auftakt zur ganzen Sammlung hilden. Es sind dies Liebesbriefe, gerichtet von dem Neunundzwanzigjährigen an die starke Dichterin Hedwig Lachmann. die später seine zweite Gattin wurde. (In erster Ehe war Gustav Landauer mit Grete Leusehner, einer Schneiderin aus Karlsrulle, verheiratet.) Wohl niemals hat ein Liebender solche mit Gefühlsgedanken beschwerten Liebesbriefe geschrieben wie Gustav Landauer. Er verstand es, stark, innig und leidenschaftlieh zu lieben, aber er liebte, um ein von Landauer selbst gut zusammengesetztes Wort zu gebrauchen, mit einem Kopf-Herzen. Ein drastisches Beispiel: Landauer wünscht sich ein Bild von der Geliebten. Gleich wird ihm dieser Wunsch zu einem Problem: Warum und zu welchem Zwecke braucht der Liebende die Photographie seiner angebeteten Dame? Er spricht also eine Bitte" aus und „begründet" sie folgendermaßen (Brief an Hedwig Lachmann vom 10. März 1899): „Ich habe von früher Jugend auf zu viel nach innen geblickt, so daß meinem Auge das fehlt, was man Personengedächtnis nennt. So klar und scharf Ihr Bild vor mir steht.