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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 521

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Gustav Landauer
Date
1929-09-01
Page
Seite 521 (sequence 2)
Language
German
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GUSTAV LANDAUER 521 elastischem Gang, das feine, von einem kleinen Vollbart umrahmte bleiche Gesicht, der schöne Kopf mit der Denkerstirn und der Philosophen mahne, ließen auf den ersten Blick den denkenden, den geistig schaffenden Menschen erkennen. Er war, im buchstäblichen und im übertragenen Sinne, überragend groß. Wie er körperlich ..eines Hauptes länger war denn alles Volk"', so überragte er auch geistig die vielfach redende und vielfach schreibende Menschheit. Geist war der Wesensgehall des Mannes und seines Werkes. Gustav Landauer war .lüde, Deutscher, Mensch. Revolutionär. Sozialist oder Anarehosozialist. wie er sich selbst einmal genannt hat. aber alles dies nur im Geiste, im 11 errschaftsbezirk des Geisligen. Darin allein war bei ihm Wirkung und Tat eingeschlossen. Tat und Werk sind ansonsten zwei ungleichartige Dinge; die Tat ist immer des Menschen, das Werk ist immer des Künstlers, des Dichters oder des Denkers. Mitunter kann eine einzige Tal. eine Tat, durch edle Menschlichkeil angeregt und in sittlicher Größe getan, fünfzig Werke des Künstlers überwiegen. Bei Landauer darf man nach solcher Tal nicht fragen. Bei ihm ist eben der Mensch vom Denker nicht zu trennen. Sein Gedanke ist seine Tal. Wer nun diesen rein im Geisle wirkenden Mann näher kennenlernen will, der greife nach seinen Briefen, die kürzlich in zwei Bänden gesammelt unter dem Tilel ..Gustav Landauer. Sein Lebensgang in Briefen", herausgegeben von Martin Ruber unter Mitwirkung von Ina Britschgi-Schimmer, bei Bülten & Loening in Erankfurl am Main erschienen sind. Die Briefe umfassen einen Zeitraum von vierundzwanzig Jahren -- von 1895. der Studienzeit Landauers, bis 1919. das Jahr seines tragischen Endes und sind so ausgewählt, daß sie ..den mit dem Leben vollzogenen Gang eines Menschen durch unser Zeitalter urkundlich darstellen". Diese Briefe sind wahre Bekenntnisse einer männlichen schönen Seele, Rechenschaftsberichte über des Briefsehreibers eigenes Ich, und selbst das Zeitgeschichtliche, das sie enthalten, ist lediglich in Beziehung auf dieses Ich bedeutsam. Man hört oft klagen, die Schriftsteller unseren' Zeit hätten es vollkommen verlernt, schöne Briefe zu schreiben. Hier haben wir eine Sammlung von Briefen im schönsten Briefsiii. Der Fehlenihrer Tugend ist nur, daß sie allzu stilgerecht und allzu feingehallig abgefaßt sind. Man hat öfter beim Lesen dieser Briefe den Eindruck, sie seien sub specie aeiernitatis, also im Hinblick auf eine spätere Veröfl'entliclumg geschrieben worden: gleichwohl behalten sie als gedankliche Urkunden und intime Äußerungen einer starken Persönlichkeit ungemindert ihren Wert.

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