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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. 520

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Gustav Landauer
Date
1929-09-01
Page
520 (sequence 1)
Language
German
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GUSTAV LANDAUER Von S. jYleisels in großgcarteler Mensch. der im rein Geisligen verwurzelt ist. I J mul zwar so. daß er in seinem eigenen Geiste lebt und strebt, ist immer abgesondert, vereinsamt, mit seiner Seele allein, und mag er sieh auch im Herzen der ganzen Menschheit verhaltet fühlen. Einsam und unverdrossen zieht er seinen Weg, der schnurgerade verläuft, ohne Biegung und ohne Krümmung, und er hat keine Gefährten, die ihn begleiten, sondern nur noch Freunde, die abseits seinen Gang auf dem bezeichneten Wege beobachten, ohne ihn mitzumachen. Es ist gleichsam sein Schicksal, mitten im Freundeskreis ein Einsamer zu bleiben. Wiewohl dem Leben und allen Lebenden mit Herz und Hirn ergeben, vermag er doch nicht das Leben der Zeit, deren Kind er ist. tatkräftig zu meistern. Und so stark auch sein Wirklichkeilssinn entwickelt sein mag, im Grunde ist er doch wirklichkeitsfern, denn sein Sinn ist auf kommende Dinge gerichtet, auf eine schönere, geruhigere, friedsamere Welt, wie1 er sie sich im Geiste aufbaut. Mil seinen Gedanken und allenfalls auch mil seinen Gefühlen, die er durch Gedankenröhren leitet, eilt er der Zeit voraus, aber die Zeit kommt ihm nicht nach, und dieSaat geht nicht auf, die er ausgestreut. Er ist ein Feind jeglicher Kompromisse und allem Opportunismus abhold; deshalb verfolgt er beharrlich sein Ziel und kämpft dafür mit Geisteswalfen, in der Überzeugung, daß es gar nicht anders als mit solchen erkämpft werden könne, und in dem Bewußtsein, daß das von. ihm für recht Erkannte auch das Rechte sei. Eigentlich ist er sich selber Mittelpunkt, er glaubt an sich und infolgedessen auch an den Menschen. Überall steht er für sich, und allezeit steht er in sich gefestigt und schwankt nimmer. Deshalb ist denn auch der sinnfälligste Grundzug seines Wesens eine gewisse Unwandelbarkeit in der Gesinnung, eine Art starres System in der geistigen Haltung, ein llöherstreben und Aufsteigen ohne merkliche Wandlungs- und Wechselformen -— kurzum, ein Mangel an Entwicklung, der die Tugend des Sich-selbsl-treu- Bleibcns in sich schließt. Nimmt man dies alles in allem zusammen, so ergibt sich daraus das geistige Bild — Gustav Landauers. Was war Gustav Landauer? Ein Mensch, der seine Arbeit mil Geist, Wissen und Talent getan hat. Das sah man ihm auch äußerlich an: die schlanke, zedernartige Gestalt von guter Haltung und mit

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