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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 506

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Die Juden in der romantischen Musik
Date
1929-09-01
Page
Seite 506 (sequence 8)
Language
German
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M E N ü R A I I die beiden griechischen Ironiker, leiten eine Wende ein. Insgleichen .Jesus. Insgleichen Bocaccio und Cervantes. Insgleichen Voltaire und Heine. Insgleichen Nietzsche und Shaw. Ottenbach nicht zu vergessen. Er war viel früher ein moderner Arislophanes als Shaw. Sein Kulturzynismus ist in vielen Fällen geistreicher als bei Shaw. Dabei darf man Offenbachs Anteil an der Gestaltung der Libretti nicht unterschätzen. Kr hat sie mit Meilhac und Italevv zusammen gemacht. Der Ironiker steht an der Wende. Kr ist also offenbar immer zugleich späte und trübe Erscheinung. Kr ist etwas, was zwischen Alt und Neu pendelt. Die Ironie kann ebenso sehr Blasphemie sein, wie bei Heine und Nietzsche, als auch Ausfluß der reinen Religiosität, die sich gegen den Verstand wendet, wie dichterisch verklärt bei Tiecks William Lovell. Die Ironie ist offenbar das Krankeste und Gesundeste zugleich. Sie zersetzt durch den Versland hindurchgehend den Verstand. Jedenfalls ist sie die s u b j e k t i v s t e Wade gegen alles. Insofern die stärkste und schwächste zugleich. Die stärkste, weil sie jeden Anprall mit Überlegenheit pariert. Die schwächste, weil sie sich nie wird objektiv entäußern können. Darum ist sie schließlich ein weibliches Moment. Tatsächlich sind alle großen Ironiker feminine Naturen, und das Weib ist meistens der feinste Ironiker, denn die Ironie ist seine Abwehr. Die Ironie ist also insofern ..unschuldig", als sie aus einem primären Grundgefühl herausströmt, aus einer irrationalen, kindlichen Sphäre. Sie hat nur äußerlich den Ansirieh des Verstandesmäßigen. Gewiß vermag sie auch Gefühle zu zerstören, wie vorzugsweise bei Heine und Nietzsche. Aber was im Leben wendet sich nicht auch gegen sich selbst? Weinen und Lachen liegen so dicht beieinander, daß sie sich geradezu komplementieren. So wird das echte Weib immer gleich lachen, wenn es geweint hat. wie das Kind. Nicht weil es den Schmerz zerstören will, sondern weil beides so sehr eins ist. daß es sich kaum voneinander trennen läßt. Dagegen wird der echte Mann weder weinen noch lachen. Kr hat beides verlernt. Die Ironie knüpft sich auch notwendig an den S k e pl iz i s m u s und Nihilismus. Denn beides liegt ebenso sehr in Ungreifbaren, Unbegreiflichen. Lnbegrifflichen. Es kommt aus dem Vigor des überströmenden Lebens, der immer wieder alle Bändigung zerreißt, mit brachialer Gewalt hervorbricht und eine Bresche schlägt. Ironie. Skeptizismus. Nihilismus sind die lebensfruchtbarslen Momente, und alle Weisheit, die in ihnen nur Können der decadence gesehen hat, bat nur die Epidermis gesehen. Nietzsche hat uns als erster wieder

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