Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 491 (sequence 10)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN 491 fertig... Am Verwaltungsgebäude fehlte nur mehr eine Kleinigkeit, und es wurde damit bis zur Aufteilung des Landes zugewartet. Eines schönen Tages ritt Gerbl mit Dr. Jaffe durch das Lager und machte von einem neuen Projekt Mitteilung: Vor der Aufteilung des Bod.ens sollten vorderhand Gärten gepflanzt werden. Wer Lust habe, möge sich bei der Verwaltung melden, und er würde ein Landstück in der Nähe des Lagers erhalten. Es meldeten sich zehn Kolonisten unter Führung von J. Weinfeld. Die anderen fürchteten einen Garten anzufordern, weil sie dadurch das Recht auf den versprochenen großen Landbesitz verwirkt zu haben glaubten ... Die zehn Hütten der Gärtner wurden weit ins Feld verlegt. Jede Gärlnerfamilie erhielt einen kleinen Handpflug mit einem Paar Ochsen, wie auch ein Joch, um darein die Ochsen zu spannen. Ferner andere Geräte, wie Riemen, mit denen das Joch an die Hörner der Ochsen gebunden wurde, damit sie den Pflug mit den Köpfen zögen; Ochsenziemer zum Antreiben, wie auch Ohrstricke, die, am rechten Ohr des Ochsen befestigt, wie Zügel gehandhabt werden konnten. Außerdem wurden sie mit Saatgut für allerlei Gemüsearien versorgt. All diese Dinge bekamen sie aus dem Warenlager des Barons. Alle Immigranten standen da, sahen zu und wunderten sich. Es kam ihnen so neu und sonderbar vor . . . „In Argentinien geht alles verkehrt. Das ist eine wahnsinnige Arbeitsmethode!" äußerten die Kenner, ehemalige Dorf juden, ihre Meinung. Es kamen die „Lehrer", Don Julio und Don Fernando, die den Kolonisten die Landarbeit beibringen sollten. Später wurden noch als Lehrer gebräunte Kreolen wie auch Deutsche aufgenommen. Unsere frischgebackenen zehn Kolonisten wurden aufmerksame Schüler und studierten emsig das Ackerbauwesen. Im Lager wurde es fröhlich. Einige von uns waren schon mit Landarbeit beschäftigt und wir hofften auch in Bälde daranzukommen. Wir vergingen förmlich vor Freude. Dem Gärtner M. Bebtschik wsxr ein tragikomischer Zufall passiert. Ein Ochse aus seinem Zweigespann war ein wenig ausgelassen, vielleicht zu klug... Er ließ sich nicht ins Joch spannen, und Bebtschik fiel in seiner dumpfen Unerfahrenheit auf folgenden Gedanken: „Du wirst dich bei mir nicht losreißen, Ochse, der du bist!" sagte er und wickelte sich den Strick, der um die Hörner des Ochsen gebunden war. um den Leib, um den Ochsen auf diese Art zum Halten zu bringen. Der kluge Ochse aber zog mit aller Kraft an, warf unseren Helden zu