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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 492

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-09-01
Page
Seite 492 (sequence 11)
Language
German
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492 M ENORAH Boden und schleifte ihn über das Feld. Dieses Transportmittel schien dem Gärtner nicht gefallen zu haben, denn er schrie aus Leibeskräften, fluchte und protestierte gegen diese Beförderung. Sein Geschrei hatte aber die Wirkung, daß der Ochse nun tatsächlich erschrak und wild einher jagte und Bebtsc hik wie einen Schlitten über das weiche Gras schleppte, bis zur Gasse, wo die Hütten standen. Es war ein Glück, daß Don Julio gerade auf seinem Pferde angesprengt kam und mit seiner Gauchoflinkheit den Strick durchschnitt. Dr. Jaflc hatte Mühe genug, den Verwundeten zu kurieren und seinem gebrochenen Bein einen Gipsverband anzulegen. Nichtsdestoweniger war dieser Mann noch fünfundzwanzig Jahre lang Kolonist, schließlich aber verkaufte eisernen Besitz und wurde Kaufmann in der Stadt. Doch davon ein anderes Mal. Mählich schwand auch das Interesse an den Gärten, die vorhin noch eine Neuigkeit waren, und die alte Frage: „Wie lange noch? Warum wird das Land nicht aufgeteilt?" begann wieder in den Köpfen zu hämmern. Die Leute waren ergrimmt über die Aufrührer. Sie folgerten, daß jene an allem schuld waren: „Wäre der Deutsche Schmidt an Gerbls Stelle gekommen, wie Dr. Löwenthal es wünschte, so hätten wir längst unseren Boden und die Alleinstehenden auch ihre Familien an Ort und Stelle. Der lange Gerbl füttert uns ewig mit seinen .Vierzehn Tagen'. Wie lange sollen wir warten?" „Rabitz und Gerzky sind die Schuldigen", ging es durch das Lager. „Man müßte mit ihnen Schluß machen!" riefen die kleinstädtischen Vereinsmeier. „Wir wollen Unterschriften sammeln!" Den Aufrührern schmeckte die Sache nicht und sie nahmen Gerbl aufs Korn. Sie überfielen ihn oft, beschimpften ihn auf russische Art und zeigten ihm russische Fäuste. ..Dr. Löwenthal hatte recht!" warfen ihm Blumenfeld und Stoliar vor. „Sie taugen nicht für dieses Amt!" „Wir haben diesem schwindsüchtigen und ehrlichen Dr. Löwenthal umsonst Arger bereitet. Man muß Gerbl den Laufpaß geben, er muß aus der Kolonie verschwinden!", sagten einige recht denkende Familienväter ... Und beinahe alle waren einverstanden, daß Gerbl fortgeschickt werde. Die Gruppe „Hinterteil", die mit Gerbl Hand in Hand ging, setzte sich für ihn ein und verteidigte ihn. Zwischen beiden Parteien entstand ein gewaltiger Haß, und die ersteren schienen Gerbl eingeredet zu haben, daß die Immigranten ihn erschlagen wollten. Das war die Ursache des darauffolgenden Aufruhrs. (Fortsetzung folgt)

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