Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 490 (sequence 9)
- Language
- German
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490 MENORAH ihr werdet es bereuen! Er ist für euch nicht geeignet. Ich selbst kann mich nicht direkt mit euch befassen. Ich muß die gesamte Kolonisation im Auge behalten. Täglich treffen neue Schiffe ein, wir haben auch schon Land in Santa Fe, und überall müssen Anordnungen getroffen werden. Beruhigt euch, Brüder, geht nach Hause und verursacht dem edlen Baron Hirsch kein überflüssiges Leid!" „Hurra!" rief die vorhin aufgehetzte Menge voll Begeisterung und vergaß, daß sie einen Augenblick früher den Redner erschlagen wollte. „Hurra, es lebe Dr. Löwenthal! Es lebe der gütige Baron HirschI" Und zufrieden schlich jeder in seine Hütte. Mit Tagesanbruch reiste Dr. Löwenthal mit seiner Frau und dem Deutschen Schmidt von Maurizio ab. Das war das letztemal, daß wir ihn sahen. vJerbls „Vierzehn Tage" zogen sich wieder in die Länge, und es vergingen weitere dreißig. Wahrscheinlich darum, weil die Immigranten sich bei Löwenthai für ihn eingesetzt hatten, wurde Gerbl mit einemmal anders. Er begann allmählich Geräte zu verteilen, gab die notwendigen Handwerkzeuge, wie Beile, Sägen, Messer und Stricke. Jeder konnte auf seinem Konsumbuch grobe Schuhe mit Holzsohlen erhalten, die sehr zustatten kamen, weil viele geradezu barfuß umhergingen. Auch wurden einige Meter grobe, gestreifte Leinwand, „Oxford" genannt, verteilt. Diese Leinwand wurde sowohl für Hemden oder Männerblusen als auch für Frauenkleider verwendet. Auch der steinharte Zwieback war zu Ende. Es wurde ein großer Backofen errichtet, wie auch ein großer Backtrog zum Kneten des Teiges gebracht. Ein Maulesel, vor den Göpel gespannt, drehte die Maschine. So erhielten wir eine eigene Zwiebackbäckerei, und täglich gab es frisches Gebäck. Die Ghassidim hatten wieder ihre Lieblingsspeise — den Scholet. Schewach Lerner, ein blonder Bursche aus Dinawitz, der in der Bäckerei arbeitete, bekam je fünf Gent für einen Topf „Scholet und Kuggel". Zudem besaß er ein so vorzügliches Gedächtnis, daß er an jedem Sabbatmorgen den Topf einer jeden Frau erkannte, ohne sich jemals geirrt zu haben. Niemals war es ihm, Gott behüte, passiert, einen litauischen Kuggel mit einem polnischen zu verwechseln, oder umgekehrt. .. Von den Häusern, die gebaut wurden, war bereits das Gefängnis XIV. Es wird Scholet gegessen und Gärten werden gepflanzt.