Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 489 (sequence 8)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 489 Alle erschauderten. Nahe am Tische stehend, fühlte ich sie wie Nadeln durch meine Glieder kreisen . . . „Höre Israel!" wiederholte er, stärker betonend. „Ihr seid Juden, ihr werdet mich nicht ermorden, weil ihr keine Mörder seid. Ich fürchte mich vor euch nicht!" Und in mildem, schmelzendem Tone fuhr er fort, und seine Worte flössen so weich und herzlich, daß sie die Seele labten. „Gewiß, es steht schlimm um euch. Aus der Heimat vertrieben, seid ihr all euren Lieben und den Stätten, die euch teuer sind, entrissen worden, und darum seid ihr so erbittert. Weiß ich es denn nicht? Teile ich denn euren Schmerz nicht? Mein Herz blutet, wenn ich eurer traurigen Lage gedenke. Aber" — hier wurde seine Stimme stürmischer — - „ihr müßt wissen, daß ihr Pioniere seid und eine Heimat aufbauen wollt, nicht nur euch selbst, sondern all jenen unzähligen Tausenden unserer Brüder, die in Ländern leben, wo sie verfolgt und bedroht werden. Ein großes Ideal hat den Baron Hirsch beseelt, und die göttliche Vorsehung fügte es, daß ihr den Wunsch des berühmten Wohltäters verwirklichen sollt... Ihr müßt leiden, denn ihr seid die Märtyrer einer großen, lichterfüllten Zukunft, die sich hier, in diesem gesegneten Lande, unserer geplagten Nation eröffnet." „Ich sagte es schon einmal und wiederhole es auch jetzt", setzte er fort. „Der Baron hat mich und Sir Edward Coolian entsandt, um eine freie Stätte zu suchen, ein Land, das noch nicht von Haß gegen unser Volk verpestet ist, und wo man sich redlich, ohne Schande und Pein ernähren könnte. Von allen Ländern, die wir bereisten, schien uns die Republik Argentinien als die geeignetste. Sie birgt gewaltige Schätze. Ihr werdet Kolonisten werden und euch allmählich an die ehrliche Landarbeit »gewöhnen. Ihr werdet dann eine glückliche Heimstätte für euch und ganz Israel schaffen. Habt Vertrauen zu dem gütigen Baron, und glaubet mir: ich suche nur euer Wohl und mein Streben geht danach, euch glücklich zu sehen!" Und mit bebender Stimme schloß er still: „Ich habe meine Heimat verlassen, meine Freunde und meinen Kreis, habe alles geopfert, um euch zu helfen, euch Beistand zu sein. Meine Jahre — sie sind gezählt — dachte ich eurem Wohl zu weihen, sie meinem unglücklichen Volke zu schenken. Wird es mir aber gelingen, Wierde ich die Kraft haben, nützlich zu sein und mich durchzusetzen? Ich finde, daß Herr Gerbl zu schwach, daß er unfähig ist für seine Mission. Nun geratet ihr in Aufruhr und überfällt mich in später Nacht! Ein Mensch" — erhob er mächtig seine Stimme — „muß seine Meinung zugunsten der Allgemeinheit ändern können. Ich werde Herrn Gerbl auf seinem Posten belassen. Aber ich sage euch,