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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 485

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-09-01
Page
Seite 485 (sequence 4)
Language
German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 485 Die Gruppe „Hinterteil** wandte sich mit Abschreckungsmethoden gegen die „Kuiggeljuden", wie sie uns nannten, drohten mit Schlägen und Polizei, und behaupteten, daß wir Gerbl bei Dr. Löwenthal angeschwärzt hätten. Dem guten Dr. JafFe aber gelang es, sie zu beruhigen. Er begann fleißig das Gemeindewesen zu ordnen und führte ein Geburtsregister ein über die Unmenge von Kindern, die in den Zelten und Hütten geboren waren. Viele jener Neugeborenen haben schon längst als treue argentinische Bürger ihren Militärdienst geleistet. Aufgeregt und überrascht war Dr. JaflV, sobald er die Entweihung des Familienlebens bei den Leuten aus Warschau und Odessa sah: „Um HimmeLswillen, ihr Brüder", pflegte er sich zu ereifern, ,.unsere Kolonie ertrinkt im Schmutz! Man muß säubern, tüchtig säubern . . . Man muß es Dr. Löwenthal melden. Diese argentinischen Adligen und „Dons'4 aus der Gesellschaft Don Juiios, die sich um Gerbl scharen, sind ein Unglück für uns/' Drei Tage darauf kam Dr. Löwenthal in Begleitung eines kräftigen Deutschen. Beide gingen das Lager ab, hielten Umschau und Umfrage und inspizierten. Vor jeder Hütte hielten sie und sahen hinein. Schargorodski und ich folgten ihnen in einigem Abstand, um zu erfahren, welche Eindrücke unser Direktor empfangen und was er geäußert habe. Aus einem Zelt kam damals gerade ein kleiner, auf einem Fuß hinkender Mann hervor, Portnoj *) mit Namen. Er ging ihnen voran, und hinter ihm her lief seine bejahrte, im verlheiratete und .schwachsinnige Tochter und rief unaufhörlich: „Vater, komm ,Latkes'**) essen!" Der Schneider stapfte mit seinem kürzeren Fuß, ging Schritt um Schritt, und sein langer Kaftan baumelte hin und her. „Sehen Sie einmal her, was für Kolonisten mir das Komitee geschickt hat. Mit solchen Elementen soll ich Avas aufbauen4', sagte der Direktor zu seinem Begleiter und zeigte auf den hinkenden Schneider und seine schwachsinnige Tochter. Sie seihritten weiter. Ein junger Bursche mit großem Schopf, in einem roten Russenhemd und kurzer Bluse saß auf einem Kasten und spielte auf einer Ziehharmonika. Dr. Löwenthal musterte ihn einen Augenblick und fragte: „Wer sind Sie?4' „Ein Jude", antwortete der Bursche gleichgültig und spielte weiter. Der Direktor sah ihn mit seinen großen, schwarzen, funkensprühenden Augen lange an, schüttelte den Kopf und sagte traurig: •) Russisch: Schneider. **) Eine Art Pfannkuchea.

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