Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 484 (sequence 3)
- Language
- German
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484 MENORAH verraten können, wie die ersten Krösusse in Casare/ entstanden waren und welche Bewandtnis ihr Reichtum mit dem Warenlager des Barons hatte.. . Das tut nichts zur Sache, wir zahlen noch heute Zinsen für all das! Aber nicht davon wollte ich ja berichten, über Nachbarn kein schlimmes Wort, darum still, keinen Laut mehr! Wir richteten uns in den neuen Hütten ein, klaubten die Fetzen auf, und das Zigeunerleben wurde weitergeführt: Wir sammelten Kuhmist, holten Fleisch, gingen zweimal wöchentlich mit dem Einkaufsbuch ins Magazin um Proviant, und Diebe schrieben und rechneten soviel sie nur wollten. (Jeder Kolonist besitzt noch heute die gelben Rechnungen jenes Diebsladens!) Noch immer warteten wir darauf, daß Gerbte ..vierzehn Tage" sich erfüllten und daß der Boden endlich aufgeteilt würde. Es kam der Monat Jänner des Jahres 1892. Die südamerikanische Hitze, an die wir nicht gewohnt waren, das elende Zigeunerleben, die rohe Fleischkost und der Schmutz, all das verursachte eine Typhusepidemie im Lager. Es gab weder einen Arzt noch eine Apotheke, dagegen hatte jede Hütte ihren Kranken. Mit Brunnenwasser wurden die Fiebernden kuriert. Tag und Nacht wurden Kübel mit Wasser a/us dem Brunnen des Verwaltungsgebäudes geholt, Frauen und Männer tauchten Fetzen darein und machten den Kranken Umschläge. Weiß Gott, wie viele Leute an der Epidemie zugrunde gegangen wären, wenn der gute, menschenfreundliche Arzt Dr. JafTe aus Paris nicht gekommen wäre. Nachdem Dr. Löwenthal die Verwundeten der Katastrophe gesehen hatte, telegraphierte er sofort an den Baron um einen Arzt, und der große Philanthrop schickte unverzüglich einen Arzt an die Unglücksstätte. Ein teurer Freund war Dr. JafTe. Er war uns Licht und Stern in der Finsternis. Möge ihn Gottes Segen allerorten erreichen! Wie treu und mit welcher Liebe heilte er unsere Kranken. Welch gütiger Zuspruch und Trost in seinen Worten lag! Wie die Wolkensäule in der Wüste, so wies er uns den Weg. Er sprach den Schwachen zu, stärkte sie und flößte ihnen Mut ein. die Leiden geduldig zu ertragen. Die Kolonisation ist Dr. JafTe zu großem Dank verpflichtet, wenn überhaupt von Dank zu reden wäre. Er (hatte die Untaten der Gruppe „Hinterteil" sogleich bemerkt und eingesehen, daß Gerbl bloß ein schwaches Werkzeug in ihren Händen war und niemals imstande sein würde, den Boden gerecht aufzuteilen. Er klärte Dr. Löwenthal über diese Angelegenheit auf, und bald wurden Gerüchte laut, daß Gerbl entlassen sei.