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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 483

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-09-01
Page
Seite 483 (sequence 2)
Language
German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 483 sah. Sein stolzer Körper wand sich förmlich vor Leid und Schmerz. Er gab sogleich Auftrag, das Magazin, das vom Sturm unversehrt geblieben war und wohin sich auch mehrere Familien geflüchtet hatten, für alle zu öffnen und alles zu verteilen, was den Kranken von Nutzen wäre. Medikamente gab es damals noch nicht, auch kein Arzt war da, und so wurden die Wunden mit Spiritus desinfiziert und Bandagen aus Leinwand angefertigt. Auch Totenkleider lieferte das Magazin. . . Am Tage wurde ein Platz auf einem Hügel, nahe der „Laguna", ausgesucht, wo sich noch bis zum heutigen Tage der Friedhof befindet. Um die frischen Gräber, wo die Brüder Swerdlik ihre junge Mutter begruben, und die arme rumänische Familie, ich glaube, sie hieß Zuckenblatt, ihren Neugeborenen barg, hatten sich alle Immigranten versammelt, und markerschütternde Stimmen fuhren plötzlich durch die Luft: „Nach Hause, nach Hause, wir wollen nach Hause! Doktor, wir wollen in die Heimat zurück! Gibt es denn in Rußland nicht Gräber genug? Wir wollen zurück! Wir wurden genarrt und betrogen! Brüder, der ganze Kolonisationsplan ist falsch! Wir wollen in unsere Heimat zurück!" Schließlich reisten mit dem Nachtzug um zwölf und am Morgen um zehn Uhr viele von der „Nationalgarde" ab. Die kräftigsten und gesündesten „Ledigen" waren die ersten Drückeberger. Dr. Löwenthal gab allen Reisebillette. Die Verheirateten rührten sich aber nicht vom Fleck. Wieder kampierten wir im Freien. Einige flickten sich später Hütten aus den Uberresten zusammen, und die unerträgliche Lage änderte sich rasch zum Bessern. Dr. Löwenthal schickte für diesen Zweck zugeschnittene und abgerundete Balken, Nägel, Schrauben und Blech, und an Stelle der wackeligen Zelte wurden feste Hütten gebaut. Nach jeder Zerstörung wird ein stärkerer Bau aufgeführt; aus der Fäulnis heraus entwickelt sich und gedeiht ein prachtvolles Gewächs. Dank der Katastrophe begann sich die jüdische Gemeinde in Casarez auszubauen. Einige „Ledige" errichteten dort eine Blechhütte, aber bitte, verratet mich nicht: das Blech stammle aus den Vorräten des Barons . .. Sie eröffneten einen Friseurladen und eine Schenke und begannen mit den Halbwilden aus der weiten, fast wüst und öde daliegenden Umgebung Handel zu treiben. Auf dieselbe Art und Weise wurden auch von den ersten „Abtrünnigen und Abgefallenen" kleine Niederlassungen um die Kolonien herum gegründet; wäre ich ein Angeber, so würde ich das Geheimnis

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