Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-09-01
- Page
- 482 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2912821-2912891-2912898-2924110--08237-2924270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! (Erinnerungen eines jüdischen Kolonisten in Argentinien) Von M. Alperson Aus dem Jiddischen ins Deutsche übersetzt von J. S. (3. Fortsetzung) XII. Der Arzt Dr. Jaffe. Rein, klar und wie frisch gewaschen schwamm die Sonne am Himmel; sie stellte sich mild und unschuldig, als wäre nichls geschehen. Die beiden Toten, das Kind und die vierzigjährige Frau, konnten die schöne Sonne nicht mehr sehen. Von den Zelten blieb kein Faden zurück. Einige nackte, feuchte Balken hielten die Köpfe gesenkt und blickten auf die Pfützen, in denen Federkissen, die armselige jüdische Golushabe, die wir aus der Heimat mithatten, herumlagen. Schillsgeschirr aus Blech, Frauenhauben und Hüte plätscherten im Rinnsal und erinnerten an eine verlassene Siedlung. Der Anblick des Lagers war ein peinlicher und erweckte Grauen. ,,Pogrom, Pogrom!" riefen jene, die in Rußland die christliche Barmherzigkeit gekostet hatten. „Dazu mußten wir nach Argentinien!" klagte einer erbittert. Man schien die ganze Sache zu bereuen. Die Frauen wateten in den Pfützen umher, klaubten ihre Habseligkeiten zusammen, fluchten über ihr Mißgeschick und verwünschten den Zar. Anderntags um acht Uhr früh erschien Dr. Löwenthal in Begleitung des rothaarigen Rabbiners Henri Joseph. Tiracini war gerade in Casarez, als der Sturm wütete, und telegraphierte dem Dr. Löwenthal, daß sich die Immigranten in den Zelten in großer Gefahr befänden, sobald der „Pampero44 das Lager durchstreifen würde. Das veranlaßte Dr. Löwenthal, Buenos Aires mit dem Abendzug zu verlassen, um an Ort und Stelle die Lage in Maurizio zu prüfen, und er nahm auch den Rabbiner Joseph mit. Vielleicht wollte er sich dessen sogenannten religiösen Einfluß zunutze machen . .. Ich hatte Dr. Löwenthal genau beobachtet. Als Philosoph war er kein Mann von Tränen, aber jeder Nerv zuckte in ihm, und in seinen Gesichtszügen konnte man seine Erbitterung und seinen Protest gegen unseren Zustand lesen. „Ein sauberes Komitee, eine saubere Philanthropie!'4 hörte ich ihn oft wiederholen, als er die verwundeten und verbeulten Menschen