Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Article
- An der Brücke
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 471 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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AN DLR BRÜCKE 471 seines Gegners vergüten wollte, so wurde1 Schmielikl dazu berufen. Während der deutschen Okkupation wurde ihm das Handwerk gelegt, und er haßte die Deutschen mit der ganzen Wut seiner Diebsseele. ..Wart, wart," drohte er mit dem Finger, „es wird auch dein Stünd lein schlagen, wart, du deutscher Hundeknochen!'' ,,Die Pest soll sie erwürgen!" mischte sich Schileml „Nase" ein. ein Bursche mit einem schwarzen Verband an Stelle einer Nase, der mit Schnüren um die Ohren gebunden war. „Als der Zar noch herrschte, lag ich auf Seidendecken, hatte einige Straßenmädchen und jetzt muß ich mich hier im Stroh herumwälzen ..." „Was gibt's da zu reden?" erwiderte Janek Kludko, ein Pole mit gespaltener Lippe, der Pferdedieb von Beruf war. ..Vor einem Jahr hat man in einer solchen Nacht nicht geschlafen. Beileibe nicht!" Das Gespräch wickelte sich leise, herzlich, voll Sehnsucht nach den zaristischen Zeiten und voll Haß gegen die deutschen Eindringlinge ab, indessen entstand ein Getümmel und es wurde gezankt. Erst begnügte man sich mit Worten, unbekannte Mütter wurden beschimpft und mit den gemeinsten Redensarten belegt und besudelt. Die unflätigsten und verzwicktesten Gemeinheiten erwachten in den spärlich beleuchteten, struppigen Schädeln, wurden laut und versanken in der Nacht. Und da schließlich die Worte ausgingen, artete es in Schläge und Ohrfeigen aus. „Da hast du's, du Schweinerüssel!" ..Hier, du räudiges Fell!" ,,Was. ein Messer? Ein Messer?' Die Türen werden lärmend aufgestoßen und die Wache stürzt mit gefälltem Bajonett, wie zum Sturmangriff, herein. ,,Halt, ihr Schweine! Man wird euch niederknallen!" Aber von den Schlägern und Kartenspielern regt sich keine Seele mehr, jeder liegt im Stroh und schnarcht wie mausetot. Die Landstürmer gehen von einem zum zweiten, blicken im Scheine der elektrischen Taschenlampen jedem in die Augen und fragen: ..Schläfst du, Quatschmaul?" Und sie packen gerade einen einfältigen, unschuldigen Tropf und hauen auf ihn mit den Gewehrkolben ein. Zur Strafe muß dieser die ganze Nacht in der Baracke auf Wache stehen und am Morgen die Unratkübel säubern. Schließlich tritt Ruhe ein. Bloß Schnarchen fährt durch den Raum. Alle liegen zusammengepfercht und verknüllt und wärmen sich an dem