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Menorah · 1929-09-01 · Heft 9-10 (September 1929) · p. Seite 467

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 9-10 (September 1929)
Article
An der Brücke
Date
1929-09-01
Page
Seite 467 (sequence 7)
Language
German
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AN DER BRÜCKE 467 wesen, sich mit gefahrvollen Unternehmungen zu beschäftigen, Seereisen zu machen, Brücken zu bauen und Entdeckungsfahrten zu unternehmen. Schon von Jugend auf war er von den Schilderungen von Seereisen und Tunnelbauten gefesselt, und er träumte davon, selbst einmal einer jener Helden zu sein, die in den Büchern erwähnt oder in Walter Scotts Romanen geschildert werden: streng, verwiegen, halbwild und von den Frauen vergöttert. Später, als er reifer wurde, malte ihm seine Phantasie konkretere Bilder. Es dünkte ihn, er werde der Mittelpunkt der ganzen Arbeit sein, und mitten in dem Durcheinander von Maschinen, Wasser und Menschen der treibende Nerv, durch den alles hindurchgehen müsse. Als er bei seiner Ankunft die weite Fläche voll brausendem Rhythmus übersah: die Fluten, die in das abgeleitete Flußbett stürzten, den Damm, an dem sich die Wellen brachen, die Sandsäcke, um die Strömung aufzuhalten, die verschiedenartigen Arbeitsmenschen, Matrosen, Taglöhner. Maschinisten und Taucher in ihrer sonderbaren Wasserausrüstung, von einer kalten, untergehenden, blutigen Sonne beschienen und von nebligem Gewässer umfangen; als er das Rattern der Maschinen, das heisere Gekreisch der Sägen, Schrauben und Äxte, die gurgelnden deutschen Vorwärts- und Haltrufe, das phantastische ,.Hopp-IIopp'\ das aus unzähligen Kehlen kam, hörte, fühlte er sich gefesselt von dem mächtigen Bild und wurde hingerissen von der allseitigen dröhnenden Bewegung. Jetzt aber mußte er sich, vor einen Klotz gespannt, dahinschieppen! Die ganze Arbeit ringsum, der Brückenbau, die Maschinen, Krane, Schlote, Räder waren seinem Anblick entzogen, bloß ihr Echo, ihr Pfeifen. Surren und Pochen drang zu ihm. Da, wo er sich befand, war nichts mehr als der Teil eines Ufers, ein Stück lehmiger Boden voll Hindernissen und Unrat. Vor den Augen einen Strick, der sich ins Fleisch bohrte, hinter dem Rücken einen Balken, auf den er immer achtgeben mußte, daß er nicht mit einer Kante an dem lehmigen Ufer haften bleibe, und über sich das anfeuernde „Hopp, hopp, hopp''. Er sali sich selber an, als wollte er sich überzeugen, ob er wirklich er sei. Immer wieder kamen ihm die blinden, alten Mähren in den Sinn, die im Walde an Hölzer angekoppelt und so lange geschunden werden, bis sie sich zu Tode rackern. Um die Mittagszeit hatte er einen neuerlichen Zusammenstoß mit den Arbeitern. Es geschah mitten während der Arbeit. Ein Balken, der nicht mehr weit vom Bestimmungsort lag, sollte noch hingebracht werden, als

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