Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 423

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-07-01
Page
Seite 423 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2912821-2912891-2912897-2923865--08105-2924037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 423 flößend, durch die Lüfte, und die Finsternis war so dicht, daß man sie lasten konnte. Es war unmöglich, einen Schritt weit zu sehen. Wir durchlchten furchtbare Augenblicke. Die Stelle neben dein Pfeiler schien unser Familiengrab zu werden; die Erde würde uns verschütten, dachten wir. und bei lebendigem Leibe begraben. Ein Blitz leuchtete auf. Der Himmel spaltete sich, und ein elektrischer Strom durchfurchte ihn von einem Ende zum anderen. Er erglänzte mit einer derartigen Helle, mit einem so grellweißen Licht, daß es die Augen wie mit Nadeln stach. Und bald darauf: trach! trach! larrarach! Donner um Donner rollte durch die Lüfte, und unter uns schlitterte und bebte die ganze Erde. Dann öffneten sich die Wolken: ein Schlagregen prasselte nieder und durchnäßte uns in einem Augenblick bis auf die Knochen. Aber mit der Flut legte sich der Wind. Jeder von uns nahm ein Kkid auf den Arm und wir sahen uns erschrocken nach allen Seiten um. ..—- Wir müssen uns retten, müssen trachten, bis zur Administration zu gelangen.'* Wir nahmen uns an den Händen und im Scheine der häufigen und langanhaltenden Blitze versuchten wir in der Richtung der Administration zu gehen. Bis ans Knie wateten wir im Wasser, drängten uns gegen den Regenstrom, bis wir den Wald der Administration erreichten. Aber weiter vorzudringen, schien fast unmöglich. Viele Bäume lagen entwurzelt; abgebrochene Zweige knackten unter den Füßen, flochten sich ineinander und verrammelten jeden Pfad. Es war ein Glück, daß es oft und grell blitzte, denn nur das ermöglichte uns, das umherliegende Gehölz zu überklettern und uns durch die Zweige einen Weg zu bahnen. Mit allen Kräften schritten wir weiter und näherten uns der Administration, von wo Geschrei und schmerzvolle Stimmen zu uns herüberdrangen. „Dort dürfte sich ein furchtbares Unglück ereignet haben," folgerte unser Begleiter, der erwähnte Tabakmann. ..Hören Sie das Jammern?" Wir beschleunigten unseren Schritt. Welch ein schauderhafter Anblick bot sich uns dort! Nur das ewigstarke ,,Vergessen" besitzt die Kraft, ihn in meinem Gedächtnis auszulöschen! Alle Zimmer des Hauses waren vollgepreßt mit Frauen und Kindern, das Jammern und Klagen spaltete den Himmel entzwei! . . . Die Männer arbeiteten mit aller Kraft, brachten jeden Augenblick eine andere blutende und ohnmächtige Frau.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.