Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 422 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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422 MENORAH Ein herrlicher Tag, schön und warm. Hunderte von Kindern spielten vor den Zelten, und die Lieder, die die Mädchen im Walde sangen, widerhallten im ganzen Lager. Die dunkelrote Sonne sank in die Lagune. Das Gewässer des Sumpfes lohte auf und überstrahlte uns, die wir am Ufer spazieren gingen, mit einem seltsamen Lichtschein. Wir sahen einander ängstlich an und suchten den alten Indianer, der sich zu uns gesellte, in der Gebärdensprache auszuholen. Er deutele auf die Zelte und gab uns durch sein Mienenspiel zu verstehen, wir möchten uns dorthin 11 ächten. — ,,Tormenta!,v — sagte er verzweifelt, „Tormenta", und zeigte mit der Hand nach dem Westen. Wir eilten in die Zelte. Bald wurde es finster, drückend1 heiß, förmlich zum Ersticken. Aus der Ferne vernahm man ein Rauschen, als nahten gewaltige Heere. Die Haare stiegen uns vor Angst zu Berge. Meine Frau und die Kinder hielten sich an den mittelsten Stützpfeilern des Zeltes fest, während ich und Motel Tabakmann, der sich damals gerade bei uns befand, mit den Schaufeln die Erde aufgruben und sie rings um das Zelt lagerten, damit der Wind es nicht abtrage. „Ich fürchte," sagte Tabakmann, „daß wir wieder einen Pampero bekämen, einen ähnlichen, wie wir ihn bei unserer Ankunft erlebten. Graben Sie schneller!ki Wir gruben aus Leibeskräften und häuften ringsum Berge von Erde. Das Heulen des Windes stieg von Sekunde zu Sekunde und wurde immer schrecklicher, immer deutlicher vernehmbar. Plötzlich wurde alles still, so fürchterlich still, daß es die Seele beklemmte. Ein tiefes Stöhnen, schwach hörbar wie die Stimme eines wimmernden Kindes, drang herein und gellte in den Ohren. Bald seufzte jedoch die ganze Natur mit solcher Furchtbarkeit auf, daß wir die Schaufeln wegwarfen und schnell ins Zelt flüchteten. Und der Wind uns nach. Im Nu packte er die Dachdecke, zerriß alle Seile und trug das Linnen über unsere Köpfe hinweg, und die Fetzen des Zeltes flatterten in den Lüften wie die Segel eines Schilfes. . . Wir klammerten uns alle an den mittelsten Pfosten, der tief in der Erde saß, und so konnte uns der Sturm nicht mitfegen. Die Kinder drückten wir an die Erde und beschützten sie mit unseren Körpern. Über unseren Köpfen flogen zerrissene Fetzen, Blechschüsseln, der Hausrat des ganzen Lagers; Kissen und Federn, Hüte, Sand und Staub, Kuhmist und Erde . . . Grauenhafte Stöße rollten, Angst ein-