Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 420 (sequence 13)
- Language
- German
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420 M E N O R A H Mit gewaltiger Begeisterung wurde diese Verordnung auf genommen. Aus allen Zelten meldeten sich Rekruten. Junge Burschen, ausgediente russische Soldaten eilten in die Administration, um sieh zum „Jüdischen Heer" zu melden. Gerbl, ehemals deutscher Offizier, und Tiracini. der bei einem französischen Ulanenregiment gedient hatte, organisierten ein Kavallerieregiment. Eine Kompanie Infanterie wurde unter das Kommando von Israel Holzkan. eines gewesenen russischen Unteroffiziers, gestellt. Die Ablichtung des Militärs war anfangs mit großen Schwierigkeiten verbunden, denn die Soldaten" waren aus aller Herren Ländern zusammengewürfelt. Es gab Russen, Österreicher, Rumänen, einige Engländer und Türken, und man konnte sich schwer verständigen. Hernach teilte Tiracini, der Oberkommandeur, seine Armee" in besondere Legionen ein. Rumänen, Österreicher und die frischen Rekruten bildeten eine Gruppe, und die Russen, Engländer und Syrier die zweite. Die erste war die Kavallerie und wurde mit Gewehren ausgerüstet, während die zweite, die Infanterie, unbewaffnet blieb. Eigentlich hatte noch niemand Gewehre, aber sie sollten bald eintreffen . . . Ich wollte, ich hätte eine kräftige Feder, um unsere Freude und unseren Stolz beschreiben zu können, als wir unsere Nationalgarde erblickten. Welch große Illusionen und Träume hatten damals unsere Phantasie beflügelt! Fünfzehnjährige baten den Ingenieur Tiracini flehentlich, daß er sie in die jüdische Legion aufnehme. Er aber pflegte nur die Kräftigsten und Schönsten auszuwählen, und über die breite Pampa hallte das russische Kommando: „Schagom — marsch! Na — lewo! Na — prawo! Lewoj-oj-oj! Lewojl" Der österreichische Leutnant Josef Armreich kommandierte die ihm zugeteilten Legionäre nach seinem Reglement: ,,Rechtsum! Linksum! Marsch!" Mütter und Schwestern, Bräute und junge Frauen zerflossen förmlich vor Freude, wenn sie ihre Lieblinge sahen, welche auserkoren wurden, in der Armee des Barons zu dienen. Auch die orthodoxen Juden fanden großen Gefallen an dieser Miliz. Sie, die ewig davon träumten und aufrichtig an die Wiedergeburt der jüdischen Nation glaubten, sie sahen in diesem ,,Heer" den Anfang der Erlösung. .. Wenn die Ulaneneskadron mit ihrem Kommandeur Tiracini an der Spitze, in einem rot gestreiften Hemd, an den Zelten vorbeizureiten pflegte, so riefen die alten Juden ekstatisch: