Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 419 (sequence 12)
- Language
- German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 419 Hirsches gegen eine Handvoll Nudeln eingetauscht. Hirsche und Sträuße gab es in der Gegend zu Tausenden. Es kochte und lärmte wie auf einem großen Jahrmarkt. Neben jedem Zelte rauchte der Kuhmist; der dürre Zwieback wurde gestoßen und zu Mehlspeisen verwendet. Man lebte wie Gott in Frankreich! Bald darauf ging man an den Bau des Gefängnisses und des noch jetzt bestehenden Verwaltungsgebäudes, und dank dem bekamen auch die Familienväter Arbeilsmögiichkeit. Wir, die Familienväter, erhielten bloß einen Peso und zwanzig Cent Tageslohn, mit der Begründung, daß unsere Familien doch außerdem verköstigt, würden! Daß die Verköstigung unserer Familien in das Konsumbuch eines jeden eingetragen wurde und daß unsere Arbeit eine schwere war — wir mußten ja Ziegel und Lehm herbeischaffen! — darum kümmerte sich niemand. Und auch wir selbst wollten solcher Kleinigkeiten wegen nicht hadern. Wir waren zufrieden, daß wir nicht müßig saßen und etwas Geld verdienen konnten, um uns jene Waren anzuschaffen, die man auf das Konsumbuch nicht erhielt. An Wochentagen herrschte ein Getümmel, und wenn der Sabbat kam, so trat die wahre Ruhe ein. In unserem Lager in Algorobo wagte niemand an diesem Tage Feuer zu machen. Es wurde in Minjanim gebetet, man aß kalte Speisen, kaltes Fleisch, und die sehr Frommen bereiteten sogar einen kalten „Kuggel" vor ... Am Nachmittag wurde geschlafen — das reinste Sabbatvergnügen. Am Abend promenierte man im Wäldchen und auf der Straße, an den Zellreihen vorbei. Burschen und Mädchen sangen Lieder, und die Älteren fragten sich: „Wann wird das Land aufgeteilt werden? Wann werden Gerbls ,vierzehn Tage4 zu Ende sein?" Und in der Tat: man hungerte nach Land. Jeder wollte Kolonist, wollte Ackerbauer werden. Indessen kam auch eine seltene Überraschung, welche uns allen große Freude bereitete. V om Baron Hirsch traf ein Befehl ein, eine Nationalgarde oder Landmiliz zum Schutze und zur Bewachung der Kolonie zu schaffen. Jeder junge Mann im Aller von 18 bis 25 Jahren soll zum jüdischen Militärdienst eingezogen werden. X. Jüdisches J^Iih'tär