Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 418 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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418 MENORAH Der Laden ist jeden Tag geöffnet. Es ist alles da, was das Herz begehrt, selbst Zimt und Rosinen gibt es; man kann daraus einen „Kuggel" und andere Mehlspeisen zubereiten! Die Kommis und Aufseher arbeiten emsig ... Das lange Kapitel der Diebstähle ging an. Es wurde gestohlen, daß es eine Augenweide war! Man war im Stehlen nicht wählerisch, und nicht nur die Beamten allein hatten die Hand im Spiele, sondern das ganze Lager war voll mit gestohlenen Gegenständen. Es stahlen, wenn man so sagen könnte, Himmel und Erde, Sonne und Mond . . . Das Gebot: „Du sollst nicht stehlen4' wurde halbiert. Das „Nicht" wurde zum Teufel gejagt, und der Rest trat hier in Verwendung .. . Viele „Alleinstehende'4 hatten das „Nicht" des sechsten Gebots bei ihren Frauen jenseits des Ozeans vergessen, damit jene es beobachten, sie aber sorgten hier für die Erfüllung des anderen Teiles.. . Ich sah Juden mit Bart und Schläfenlocken, welche, in den Kaftantaschen versteckt, Zucker und Reis aus dem Laden trugen; unter den Rockschößen brachten sie Töpfe, Teekocher und anderes Geschirr nach Hause, kurz, was ihnen nur in die Hände kam . . . Sie erröteten nie vor Scham und genierten sich auch nicht voreinander, denn eigentlich konnten sie sich ja ausreden, sie n ä h m e n es doch von ihrem eigenen Vater. .. Die „treifene" Gruppe, jene Z's und Sch's, sie vereinigten sich mit den höchsten Beamten und heimsten ein schweres Vermögen ein. Erst nach der „Gerbl-Revolution" erfuhren wir, daß ganze Wagen mit Waren von der Bahn weg nicht in den Laden, sondern in die Station Donino, acht Kilometer von Gasarez, gebracht wurden, wo sie in den Handel kamen. Diese Waren waren bloß auf dem Papier, will sagen in den Büchern vorhanden, niemals aber hatte sie das Magazin des Barons zu sehen bekommen; dessenungeachtet müssen wir noch heute Zinsen für sie bezahlen. Im Lager war die Freude groß. Es gab zu essen und zu rauchen; und das wollte was heißen! Die Protektionskinder, die Speichellecker und die Väter schöner Töchter plünderten den Laden so gut sie nur konnten, und der arme Analphabet, der mußte als Opfer herhallen, denn das ging alles auf seine Rechnung . . . Der Laden des Barons wurde in der ganzen Umgebung berühmt. Gebräunte, halbwilde Gauchos kamen auf ihren flinken Pferden geritten und pflegten Tauschhandel mit den Eingewanderten. Ein junger Damhirsch wurde gegen etwas Tabak, oder das Fell eines großen