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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 413

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-07-01
Page
Seite 413 (sequence 6)
Language
German
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 413 ein Skandal ereignet. Sehlojme K. und seine Anhänger attackierten Gerbl. ,,Du langer Dragoner," schrie Sehlojme K., „auf dein deutsches Ehrenwort hast du uns versprochen, in vierzehn Tagen würden wir alles erhalten: Land, Vieh und Geräte. Die vierzehn Tage sind längst vorüber, und wo ist das Land?" Aber die „treifene" Gruppe schützte Gerbl, und beinahe wäre es zu einer Rauferei gekommen. Späterhin galt es als Regel: Vierzehn Tage" bedeuten--ein Jahr; „bueno" (gut) — ist eine Lüge; .,maniana" (morgen) — heißt niemals! Mit diesen drei Worten hatten uns täglich die Beamten vertröstet. Die Familienväter duldeten und schwiegen, denn so kläglich auch die Zelte und die Verpflegung waren, so waren sie doch wenigstens mit Weib und Kind beisammen, aber die Bedauernswerten, deren Familien sich unterwegs, oder in der armen Heimat befanden, sie entfachten alle Unruhen im Lager. ,,Gebt uns Arbeit, gebt uns Verdienslmöglichkeiten," forderten sie, ,.damit wir etwas Geld nach Hause schicken könnten!" Gerbl hatte Dr. Löwenthal davon unterrichtet, und eines schönen Tages kam ein Wagen mit Schaufeln an. In jedem Schaufelstiel war das Siegel eingebrannt: ,,Kolonie Maurizio", und erst durch diesen merkwürdigen Zufall erfuhren wir den Namen unserer Kolonie. Dreihundert Alleinstehende wurden mit diesen Geräten beteilt und zur Arbeit befohlen. Sie sollten einen Weg vom Verwaltungsgebäude bis zur Hauptstraße, die nach Casare/ führt, machen: und der Tageslohn für jeden „Arbeiter" wurde mit zwei Pesos festgesetzt. Der Administrator und der Ingenieur waren die Hauptmacher. Sie bestimmten Leute aus der ,.Gruppe Hinterteil" zu Aufsehern, damit die Arbeiter nicht schwindelten, und diese Aufseher hatten auch zu beurteilen, wer aufgenommen werden sollte, und die Arbeitstage zu verzeichnen. Auf diese Weise wurde hier der alte historische Fluch aus Ägypten wieder wahr: Wir hatten unsere Antreiber und Aufseher! Der russische Jude, erzogen mit der Knute des Polizeihauptmannes und durchknetet mit der Hefe des ..Bakschiseh", wandte dieses Mittel auch bei den frischgebackenen Aufsehern an. ,,Gaspadjin:;:), schreiben Sie mir einen Arbeitstag mehr ein. Halb mir, halb dir. . ." Und die Leute von der ,,Gruppe Hinterteil" schrieben. Bald wurde auch ein großes Blechgebäude aufgeführt, das als Magazin für die Lebensmittel. Waren und andere Bedarfsgegenstände •) Russisch: Herr.

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