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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 412

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-07-01
Page
Seite 412 (sequence 5)
Language
German
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412 M ENORA Ii vergingen mit diesen wichtigen Arbeiten: mit Kuhmistsammeln, Heizen, Kochen, und am Abend bildete man Gruppen, philosophierte und besprach die Zukunft. . . Indessen rückten die hohen Feiertage immer näher heran. Es kam das Neujahrsfest des Jahres 1891. Das ehemalige Hauptlager wurde gelüftet und zum Beten hergerichtet. Die „Litwaken" beschäftigten sich mit dem Ausräuchern und Reinigen des Raumes und krönten ihn mit dem Titel Bethaus. Schurawski, ein junger Mann aus Kiew, der eine gute Stimme besaß, betete das Mussaf-, und Eisik Glasermann, der fromme Schächter aus Polen, das Schachritgebet vor. Wenn ich mich heutte an jene Gebete erinnere, so kann ich mich nicht genug wundern, wo damals die obligaten Tränen des Neujahrs- und Versöhnnngstages hingekommen waren. Niemand unter uns hatte geweint! Man stand auf den Beinen (Bänke gab es keine in diesem improvisierten Bethause), sah zum Fasse hin, welches als Betpult diente und hörte sich die vertrautien Melodien an. Doch es frei niemandem ein, zu weinen! Zu sehr hatte das Leben in uns pulsiert und die Hoffnung auf eine glänzende Zukunft. Und das alles ließ keine Sorge in uns aufkommen. Die Getränke, die unsere Leute durch die spanischen „Dons" ins Lager geschmuggelt hatten, gaben dem Festtag die volle Weihe, und da man guter Laune war, begann man den Millionen des Barons nachzuweinen. Es wurde nachgerechnet, wieviel Gerbl und wieviel Dr. Löwenthal selbst gestohlen hatte. Fromme Männer und fromme Frauen begannen die Zelte zu betrachten und sie konnten von ihnen nicht sagen: „Wie schön sind deine Zelte, Jaakob! .. ."*) Gesindel in Massen hatte der Emigrationsstrom hieher verschlagen: so manche Mörder aus den Kerkern weg, Diebe in Unzahl, einige Renegatien, und fast überall Prostituierte aus Warschau und Odessa. — Die Administration hat dieses Gesindel später mit Mühe und Not und großen Geldopfern entfernt. Kurzum, diese Brut mit ihrem Geschmeiß vermehrte sich von Tag zu Tag und suchte im Trüben zu fischen. Einige fanden, es fehle dies und das; andere beschäftigten sich mit der Frage: „Was wird das Ende sein? Was sollen wir eigentlich hier in dem neuen Lande?", was andere dann laut und verzweifelt rufend bestätigten: „Wo ist denn der versprochene Boden? Wo sind die Felder?" Am Festtag der Gesetzesfreude wurde die Administration belagert. Es hieß, man wolle Gerbl einen Besuch abstatten . . . Fast hätte sich *) Anspielung auf einen Vers im Morgengebet.

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