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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 414

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Juden sollen Bauern werden!
Date
1929-07-01
Page
Seite 414 (sequence 7)
Language
German
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414 MENORA H der Kolonisten dienen sollte. Die Alleinstehenden verdienten, an Arbeitsmöglichkeit fehlte es nicht. Vielen wurden in den Arbeitsbüchern solche „Tage" eingeschrieben, an denen sie an Arbeit nicht einmal gedacht hatten. Es gab dazu, wie erwähnt, ein probates Mittel: man mußte sich mit dem Aufseher verständigen. Hingegen bekamen einige ungeschickte, aber sehr anständige Leute, keinen einzigen Arbeitstag zugewiesen. Nie wird mir jene Szene aus der Epoche der Antreiber und Aufseher aus dem Gedächtnis schwinden. An einem schönen Morgen begab ich mich mit meinem Schillskameraden Busie Seharagrodski zu dem Platze, wo die Alleinstehenden zur Arbeit aufgenommen wurden. Um jene Zeit wurden die Familienväter noch nicht herangezogen. Erst als mit der Erbauung von „Pithom und Ramses", nämlich des Verwaltungsgebäudes und des Gefängnisses, begonnen wurde, wurden auch wir zum Lehmkneten und Ziegeltragen verwendet. Wir stellten uns also vor das Administrationsgebäude hin und sahen zu. Im selben Augenblick ritt der Aufseher heran und sprang vom Pferde. Die jungen Arbeiter leisteten ihm militärisch die Ehrenbezeugung und die älteren schmeichelten sich an ihn heran . . . Jeder hält ihm sein Arbeitsbuch hin, in dem die Arbeitstage eingetragen wurden, und wenn der Aufseher findet, daß der Betreffende schon zu viel verdient habe, bekommt er keine Arbeit mehr. So lautete Gerbls Befehl, der die Ungleichheit verhindern wollte, daß der eine viel und der andere nichts verdienen sollte. Aber die Aufseher hatten, wie schon bemerkt, ihre Protektionskinder, und so ging es nach allen Regeln des alten russischen Systems. Der Aufseher sah die Arbeitsbücher durch und kommandierte: ,,Jeder die Schaufel auf die Schulter und marsch!" Man begab sich auf den Arbeitsplatz, voran der Aufseher, hinter ihm dreißig oder fünfzig Arbeifer. Außer dem Aufseher gab es noch Unterführer, die zehn oder zwanzig Arbeiter zu beaufsichtigen hatten, und auch diesen war das Bakschischsystem nicht fremd. ,,Eine saubere Schweinerei gibt es hier," wendet sich mein Schiffskamerad an mich, „sieh einmal, wie sie dem Mann mit den Röhrenstiefeln nachrennen, das ist ein schrecklicher Kerl, dieser Aufseher, ein Antreiber von der Sorte, wie es ihrer in Ägypten gab. Er schreit dort herum. Komm, wir wollen hören, was es dort gibt." ,,Nehmen Sie mich zur Arbeit!" bat ein Mann mittlem Alters. „Ich habe vier Kinder in der Heimat, sie sterben Hungers . . ."

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