Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Juden sollen Bauern werden!
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 411 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JUDEN SOLLEN BAUERN WERDEN! 411 Zwieback, der aus Nueva-de-Iulio, eine Stunde Bahnreise von Casare/, gebracht wurde. Er war schimmelig, oder hart, stammle vielleicht noch aus den Zeiten Columbus', und wir brachen uns förmlich die Zähne an ihm aus. Viele Kolonisten gewöhnten sich, einzig von Fleisch zu leben, um sich die Plage mit dem harten Zwieback zu ersparen. Das Zigeunerleben unter den Zellen wurde ruhig Inngenommen, und man wäre vielleicht zufrieden gewesen. Da entstand aber ein neues Problem: Heizmaterial. Das Holz war ausgegangen, und es gab nichts, womit Feuer zu machen, um das Fleisch zu braten, oder zu kochen. ,.Herr Gerbl, wir brauchen Heizmaterial!" forderten die Leute. Und so grilV man immer wieder zu den Bäumen des Waldes, und die Akazien mußten als erste daran glauben. ,,Man muß den Baum mit einem Handtuch umwickeln," versicherte Anschel Pack, „so werden die Schläge der Axt unhörbar. Und in der Nacht, wenn Gerbl und die Aufseher schlafen, dann .macht4 man Holz.. Aber nicht jeder konnte auf diese Art Holz „machen". Einige wurden erwischt und bekamen die Knute tüchtig zu spüren... Das Problem verschärfte sich. Heizmaterial hieß die Parole des Tages. Diese Frage fand eine rasche Lösung. Drei Reiter sprengten über das Lager dahin und warfen vor jedem Zelte einen leeren Sack ab. Jenkl E.( der über den Lärm hinausgetreten war ■— er hatte noch Gebetmantel und Gebetriemen an — erhielt von dem auf ihn zureitenden Tiracini zweimal mit der Reitpeitsche über den Kopf. ,.\Virf diesen gestreiften Schal von dir," sagte Tiracini als Erklärung für die Schläge, ..nimm den Sack und sammle Kuhmist, dann wirst du Heizmaterial haben." Jung und alt wurde aus den Zelten getrieben und man befahl ihnen, Kuhmist zu sammeln: Gehen Sie, gehen Sie Kuhmist sammeln!" lautete jetzt die Parole. ..Gewiß, man muß arbeilen! Kuhmist sammeln ist auch eine Arbeit!': erläuterte Gerb 1. Wir, die Städter aus Russisch-Polen, die dieses Heizmaterial nicht kannten, wir brachten was uns in die Hände kam: nasse Kuhfladen und anderes unbrauchbare Zeug und begannen damit die argentinische Luft zu würzen. Die Frauen erblindeten fast an dem stickigen Rauch und überließen das Kochen den Männern. Wir hoben Gruben aus, legten auf den feuchten Kuhmist Talgstücke von den Tieren, welche täglich geschlachtet wurden, und auf solchen primitiven Herden kochten wir unsere Mahlzeiten. Die Tage