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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 406

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Herzls Bild
Date
1929-07-01
Page
Seite 406 (sequence 3)
Language
German
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406 M ENORAH nur als Mittel benützt) und hätte auch — er sagte es selbst mehr als einmal — für sein Leben gern die Journalistik beiseitegeworfen; doch er mußte sie behalten, als Broterwerb, um ein Eheleben, in das er sich begeben hatte, aufrecht zu erhalten. Herzl hatte durch äußere Umstände und Milieu eine großartige Ausgeglichenheit des Wesens; doch sein Machtwille war sozialrevolutionär. Wäre er aus Armut gekommen, er wäre sicher nicht Feuillelonist und Lustspieldichler des damals anerkannten Maßes geworden, sicher jedoch, was er wirklich war: Herrscher, Revolutionär. Denn Herzl war bloß das, bloß dazu seelisch geeignet, alles andere war für ihn angeeignet, war das Resultat seiner Bildung (die er sich nämlich wirklich und eindringend erworben hatte). Als Knabe träumte er davon, Wunderwerke der Technik zu gestalten, durch welche er die Welt beglücken würde. Und auch später machte unter allen Errungenschaften der modernen Kultur die Technik auf ihn den stärksten Eindruck. Lange Zeit, auch als er bereits „anerkannter" Schriftsteller war, quälte ihn der Gedanke, Erfinder zu werden, um mit seinen Erfindungen rückständige Völker und zurückgebliebene Erdteile zu beglücken. Während seines Aufenthalles in Paris (1891 bis 1896) interessierte er sich lebhaft für die Arbeitshilfe (assistance pour le travail); in einem Briefe, den er über dieses Problem an den damaligen Führer der Deutschliberalen, Baron Chlumelzky, schrieb (dieser Brief wurde zum erstenmal von Leon Kellner in seiner 1920 erschienenen Schrift ,,Theodor Herzls Lehrjahre" veröffentlicht), macht Herzl jedoch einen charakteristischen Vorbehalt: „Im ersten Augenblicke glaubt man sogar auf der Spur einer freisinnigen Lösung der sozialen Frage zu sein. Das ist freilich vorläufig ein Irrtum." In demselben Briefe aber schneidet Herzls soziales Ingenium ein Problem an, das erst ein Jahrzehnt später unter dem Schlagworte „Back to the land!" (Zurück zum Boden!) in England auftauchte, jenem England, das für Herzl seit je die Vollkommenheit in der sozial-ethischen Auswertung der Technik bedeutete. So gab schon der „früheste" Herzl deutlich zu erkennen, wohin sein Machtwille zielte: er trieb ihn zu einer sozialen Revolutionierung der Welt auf ethisch-geistiger Grundlage. Damit hängt es auch zusammen, daß Herzl die Politik, die er in Paris sah, außerordentlich fesselte; er spürte das Sozial-Geistige, das ihr innewohnt —, und war damit dem österreichischen Bürgerliberalismus, dem er entstammt, endgültig verloren. Und auch dem, was er die „Israelite" nannte. Im Jahre 1886 schrieb er noch in seinem „Buch der Narrheit" in seiner Schilderung des römischen Ghetto: „Mit welch' niedrigem Haß man sie verfolgte, die armen Leute, deren großes Verbrechen die Glaubenstreue gewesen; wir haben es jetzt viel weiter gebracht: man macht den Juden nur mehr die krumme Nase zum Vorwurf sowie das Geld, auch wenn sie keines haben." Zehn Jahre später aber war aus der Judenfrage, die Herzl aus der üblichen liberalisierenden Perspektive betrachtet hatte, für ihn soziale Frage geworden: „Vor allem erkannte ich" — schrieb er im Jahre 1896 — „die Leere und Nutzlosigkeit der Bestrebungen zur Abwehr des Antisemitismus." Er hatte die zu dieser Zeit beginnenden sozialen Umwälzungen mit dem untrüglichen politischen Instinkt sofort verstanden. Wohl hat er die proletarisch-soziale Bewegung, welche damals ihren Aufstieg begann, nicht erfaßt, denn sie erschien ihm, dem sittlich-geistigen Revolutionär, zu einseitig-ungeistig, wTie aus seinem Aufsatz „Der Herr der Kammer", der ein Porträt Jaures entwirft — trotz aller Bewunderung des Machtmenschen für den den Machtmenschen —, herauszulesen ist. Aber er merkte sehr wohl die soziale Unfähigkeit, Machtlosigkeit des Bürgertums, dessen geistige Machtpositionen sich Herzt selbst als wertlos erwiesen hatten; die sozialen aber erkannte er als wertlos, als der Judenhaß sich ausbreitete. Und so war die scharfe Abgrenzung zu seiner Sphäre, in ihm

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