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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 405

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Herzls Bild
Date
1929-07-01
Page
Seite 405 (sequence 2)
Language
German
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I I E R Z L S B I L l) 405 schuldbaren) Gewalt aus der Bahn des anerkannten, erfolgreichen Feuilletonisten oder Dichters — einer von ihnen schrieb einmal von dem Werk, „mil dem der Dichter Herzl das deutsche Volk beschenkt hat" — in eine Sache hineingedrängt worden, die abenteuerlich und undankbar war; dabei habe er wie ein Nachtwandler überraschende Fähigkeiten als Staatsmann, Führer u. dgl. gezeigt und sei dann, von der harten Wirklichkeit aufgerieben, schwer enttäuscht, zerbrochen in ein Frühes Grab gesunken. Man hört dabei seil 25 Jahren den gräßlichen Unterton: Hat er das nötig gehabt? Und doch erweckt eine ästhetische" Betrachtung, die solchen Untermenschensinn spüren läßt, noch immer nicht Verdacht und wird auch dort weitergegeben, wo das beglückende Bewußtsein, einen Herzl besessen zu haben, alles Unreine fernhalten müßte. Darum soll endlich einmal versucht werden, die V e r z e r r u n g solchen Herzl-Bildes zu zerstören, vor allem durch das menschliche Erfassen des ..vorzionistischen" Herzl. Herzls Jugend fällt in die Blütezeit des bürgerlichen Liberalismus, mil welcher der Machtaufstieg der Presse verknüpft war: so erschien ihm, dem überdies günstige materielle Verhältnisse förderlich waren, gerade in der Journalistik ein Sprungbrett gegeben, um M a c h t zu üben. Auch die vielzitierte Äußerung vor dem Bau des neuen Burgtheaters: ,.Da komme ich einmal hinein" ist nicht aus dem Durchdrungen sein von künstlerisch-dichterischer Sendung entstanden; die Eroberung des Burgtheaters bedeutete damals die Eroberung einer bestimmten Klasse: des Wiener Groß- und Mittelbiirgerlums, dessen geistige und politische Interessen (oft zusammenfallend) das Profil des damaligen Österreich formten. Aus diesem Milieu stammend, in ihm erzogen, konnte der junge Herzl für die Betätigung seines Machttriebes sich keine andere Position vorstellen als Presse und Theater. Dabei war der literarische Inhalt dieser beiden Faktoren für ihn im Grunde nicht bestimmend. Denn ihm war die Schrift stellerei, einschließlich des Stückeschreibens, keine künstlerischseelische Voraussetzung, über welche Zweifel möglich sind, sondern eine rein t e c hnische Angelegenheit. Herzl war auch einer der ersten, welcher die anmaßende Lüge des Journalismus erkannte, daß die Tagesschriftslellerei eine besondere seelische Begabung erfordere, die besondere Rechte einräumt; ihm war sie eine technische Voraussetzung, gleich den juristischen Studien, die er aus ähnlichen Motiven zu Ende führte. Der beste Beweis, daß Herzls schriftstellerische Begabung ihn durchaus nicht ausfüllte, ist wohl darin zu sehen, daß er auch in der schwersten, stürmischesten Zeit seines Lebens über Nichtigkeiten gut schreiben konnte. Für Herzl waren die Enttäuschungen über die ersten Mißerfolge auf den beiden genannten Gebieten die eines Menschen, dessen Herrscherwllle Widerständen begegnet; diese zu brechen, nicht etwa — besser zu schreiben, war sein Ziel. Und er setzte durch, was er wollte. Wurde Journalist auf einem damals bemerkten Platze und Autor des Burgtheaters, des sichtbarsten literarischen Forums seiner Zeit. In beiden Fällen gab er nichts Neues, das ihm etwa ein künstlerischer Wille diktiert hätte, sondern gewissermaßen genau so viel, als notwendig war, um Geltung zu haben. Die Enttäuschung begann für ihn erst, als er sein Ziel erreicht hatte. Nicht, weil er den Ehrgeiz des „geborenen Schriftstellers" hatte, sondern weil er merkte, daß Bühne und Presse, die zwei sichtbarsten Machtpositionen, nicht die Macht gaben, die er brauchte; er merkte bald, daß sie unfruchtbar waren und daß aus ihnen keine produktive Wirkung erwachsen könne. In einem Briefe an Arthur Schnitzler schreibt Herzl aus Paris: „Manchmal komme ich mir vor wie David Cooperfield, der Stenograph." Hier ist der Kernpunkt seiner Enttäuschung: Die organische Form des Lebens wird in Hast verkürzt und in gewohnten, gewöhnlichen Sigeln ausgewertet. Herzl aber wollte mehr: dauernde Herrschaft. Darum ließ er das Theater leichten Herzens fahren (später, im Neuen Ghetto" hat er es wieder

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