Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Der erste Schultag
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 400 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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400 MENORAH (Ihnim schweiigt. ..Bist du taub?" schreit der Vater. Chaim schweigt. Der Vater nimmt einen Schluck Wasser. ..Weißt was, Chaim], lies allein, wie d u willst." Chaim liest: „Mem, Pathach, He, Teth, Cholem. Waw, Beth. Waw, Aleph, (Cholem, He, Kamez . . ." „Der Jung' ist verrückt geworden*", sagt der Vater ratlos. „So hast du lesen gelernt? — Geh'. Channe, ruf Sehijes Motte! herüber." „Ja, ja. Mottet soll kommen**, sagt Buhe Genendel mit einer Genugtuung, die Chaim erkennt, aher nicht versteht. Da sagt die Mutler: „Chaim kann noch nicht lesen, ich weiß es, denn Luser hat mir's schon gesagt; aher wenn Sie glauben, Schwiegermutter, daß er Beerisch nachgerät, sind Sie im Irrtum, denn er kann heute schon alle Buchstaben, und Beerisch unterscheidet nicht ein Kreuz von einem Aleph." „Er kann aber doch nicht lesen", sagt Bube Genendel. „Das macht gar nichts/' sagt Muhme Channe lachend und zeigt alle Zähne, „du bist stark, du wirst ein Ochsenhändler werden, brauchst nicht zu lesen, was?" Die Mutter macht ein böses Gesicht und will erwidern, aber Muhme Channe ist schon bei der Tür hinaus, und Bube Genendel geht ihr nach. „Was ist aber doch mit dem Jung'?" fragt der Vater. „Ist mir das Herz nicht schwer genug, mußt du mir's noch sch w erer mach en? * * „Geh' spielen!" sagt der Vater zu Chaim. Der schlüpft erlöst zur Tür hinaus. Der junge Gatte schließt die Frau in die Arme. „Nur das nicht, lieber Gott! Nur das nicht!" weint die junge Frau. Sie denkt an Beerisch, und ihr Herz ist wie Blei. Hätte Leie das Gespräch zwischen Chaim und Mottel hören können, das eine Stunde später im Schatten einer alten Weide am Flusse geführt wurde, ihre Angst um die Zukunft des Kindes wäre ihr vergangen. „Glaubst du wirklich," sagte Chaim, „daß Mein und Pathach ma heißt.'' „Versteht sich," antwortete Mottel; „der Belfer sagt's ja, du Esel!" „Selber ein Esel!" sagte Chaim; „woher weißt du, daß der Belfer recht hat?" Mottel macht ein verdutztes Gesicht, dann lacht er belustigt; er kräht vor Vergnügen. Der Einfall war zu köstlich.