Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Der erste Schultag
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 401 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DER ERSTE SCHULTAG 401 „Gott, bist du dumm! — Esterl," rief er, Esterl!'' Ein blasses, schmales Kind mit langbewimperlien Mandelailgen, das im Grase gesessen und darüber nachgesonnen hat, warum es verboten sei, am Sabbath Dotterblumen zu pflücken, was doch nur ein V ergnügen und so gar keine Arbeit sei, kam leichtfüßig zu den Knaben hinunter. Mottel erzählte ihr, wie dumm Chaim sei. Ester, die um zwei Jahre ältere Schwester Motteis, sah Chaim strafend an. „Du bist doch gescheiter als Mottel, warum redest du so dumm?" „Ich versteht aber nicht!" jammerte Chaim. ,,Schau\ Esterl, sag' .Mottel'!" „Warum soll ich .Mottet* sagen?" wehrte sich Esterl. „Tu's mir zutieb! Also sag' ,Mottel'!" „Mottet!" lachte Esteii. und das schmale Gesichtchen sah wunderschön aus. „Gut. Jetzt sag' .Esteii"!'* „Das ist doch dumm!" „Bitte, tu's mir zulieb!'* Das Kind wendete sich verschämt um und sagte halblaut ,Ester!'. „Gut." fuhr Chaim fort; ..was machen beide. AtolleT und ,Esterl'?" Die Geschwister sahen einander ratlos an. Da rief Chaim ungeduldig: ..Du verstehst mich auch nicht, Esteii! Der Belfer sagt, Mein ist Mein. Pathach ist Pathach, aber zusammen macht Moni und Pathach m a. Warum macht nicht Mottel und Esteii m e?" Mottel sprang auf und schlug einen Purzelbaum. ..Das erzähl' ich morgen im Glieder! Mottel und Esterl macht me!" Und er schlug wieder einen Purzelbaum. Er war ein Meister in dieser Kunst. Als er wieder aufrecht saß. hielt ihm Chaim, hochrot im Gesicht, beide Fäuste vor die Augen. „Sag1, daß du nichts erzählen wirst!" schrie Chaim und richtete sich in Abwehrstellung auf. „Gerad' werd' ich's erzählen! Mottel und..." Die Knaben wälzten sich balgend im Grase. Esteii heulte laut auf: „Ihr werdet ins Wasser fallen!" Aber Chaim, der dem Kameraden auf der Brust kniete, war wütend und bearbeitete ihn erbarmungslos. „Sag', du wirst; nichts erzählen!" Esteii schrie: „Sag's!" Der Gedanke, dem Bruder zu Hilfe zu kommen, kam dem sonst denkgewandten Kinde nicht in den Sinn, denn sie hatte von der