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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 398

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Der erste Schultag
Date
1929-07-01
Page
Seite 398 (sequence 6)
Language
German
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398 MENORAH Kopf gesenkt hält, aber sie schweigt, schweigt. Dann geht der Vater fort und schlägt böse die Tür hinter sich zu. „Ihr weckt mir das Kind auf", sagt Ghaiins Mutter leise und geht auf seine Schlafstelle zu, die am Abend aus der Bank heraus- und am Morgen wieder in die Bank hinein gerückt wird. Chaim macht die Augen zu. Die Mutter soll sich nicht ärgern .... Beerisch ist das dritte und jüngste Kind. Er ist nur um drei Jahre älter als Chaim, aber er hilft in der* Wirtschaft wie ein Erwachsener. Chaim merkt, wie er der Mutter ihre Wünsche an den Augen absieht; deshalb ist ihm Beerisch nach der Mutter und Bube Pessel das Liebste auf der Welt. Beerisch macht Kienholz klein mit dem großen Küchenmesser, er legt das Feuer so geschickt wie die Mutter, er kauft ein. Und doch gibt ihm die Mutter kein gutes Wort. Beerisch ist noch aus jedem Cheder davongelaufen, und er kann im siebenten Jahr noch nicht hebräisch lesen. „Du wächst auf wie ein Goi", sagt ihm die Mutter bei jeder Gelegenheit. Es nützt nichts. So oft er einem Lehrer durchgegangen ist, hat er vom Vater fürchterliche Prügel bekommen. Altes umsonst. Er verträgt die Ghederluft nicht. Die Mutter hat sich das Geld am Munde abgespart und einen Belfer ins Haus kommen lassen. Umsonst. Beerisch hat das Alphabet nicht erlernt. Der Synagoge bringt er die gleiche Abneigung entgegen. Am Samstag ist er nicht aus dem Bett zu kriegen. Und bringt ihn der Vater bei den Haaren auf die Beine und schleppt ihn trotz Bube Genendels schrillen Einspruch ins Bethaus — nach fünf Minuten ist er weg. Und jetzt soll Chaim den Unbändigen holen! Ein Wunder: Beerisch nimmt ihn bei der Hand und geht ins Bethaus. Der Vater sieht, wie beide auf der Bank unter den Kindern Platz nehmen, wirft Beerisch noch einen drohenden Blick zu und geht zu seinem Sitz. Der Gottesdienst beginnt. Beerisch blickt sehnsüchtig zu den Fenstern hinaus — die Bäume des großen Gartens, der sich bis zum Fluß hinunterzieht, rauschen verlockend herein. Er rutscht unruhig hin und her, aber er bleibt. Da beendet Schneider Attermann das Vorgebet, und der Vorsteher bittet den Vater Chaims, Sohachris zu beten. Es ist eine große Ehre für einen so jungen Mann, und Chaim zittert das Herz: er hört so gern den Vater vorbeten! Keiner hat eine so süße Stimme wie er. Wird er die Einladung annehmen? Er steht langsam auf, er geht auf das Pult zu. Er beginnt — Nischmas Kol Chaj.. ."

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