Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Fanny
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 383 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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FANNY 383 seinem Sitz hin und her ruschte — so als suche er jemanden — und begegnete ihrem Lächeln, das keinem zugedacht war, mit einem geradezu strahlenden, das zweifellos nur ihr galt. Er erhob sich fast ganz in seinem Stuhl, dann besann er sich und setzte sich wieder hin, alles mit einer Rastlosigkeit, die etwas Komisches hatte. Es waren Jahre vergangen, seit er Winnebago verlassen hatte. Als seine Mutter starb, hatte man versucht, ihn zu erreichen, konnte aber wochenlang nicht mit ihm ihn Fühlung kommen. Er befand sich auf irgend einer Gebirgsexpedition, hundert Meilen von der Eisenbahn und vom Telegraph entfernt. Fanny erinnerte sich, im ,,Winnebago Courier" von ihm gelesen zu haben. Er schien sehr viel auf Berge zu klettern, und offenbar auf schwierige Berge, weil man solch Aufhebens davon machte. Eine sonderbare Beschäftigung für so einen Feigling. Er hatte auch ein Buch geschrieben, sie las es aber nicht. Sie mochte die Bücher über die Natur nicht, wie die meisten Menschen, die die Natur lieben. Wenn sie im Oktober einen golden leuchtenden Ahornbaum sah, meinte sie, daß es vollkommen genüge zu wissen, es sei ein Ahorn, und das Herz an seiner Pracht zu weiden. Sogar „Chicago Herald'4 hatte einen eigenen Aufsatz über ihn gebracht. Man sprach von ihm als dem,,glänzenden Naturforscher Ciarence Heyl" und er sollte an einer Expedition Roosevelts teilnehmen. Ein verstauchter Fuß oder so etwas hatte ihn daran gehindert. Fanny lächelte wieder vor sich hin. Seine Mutter, die närrische Person, die an seinen Matrosenanzügen und allzu glänzenden Schuhen schuld trug und gewiß auch an seiner Feigheit, hatte zweifellos davon geträumt, ihren Clarence einmal als Rabbi zu sehen. Und da kehrten Fannys Gedanken wieder zu dem tapferen Mann oben vor seinem Pult zurück. Sie hatte fast nichts vom Gottesdienst gehört. Sie blickte auf ihn und dann auf seine gelangweilte Gemeinde. Also, so verfuhr das Leben mit einem, preßte einen aus, und warf einen dann fort — eine leere Hülse, ein Stückchen Abfall? Der kleine Tempel war sehr friedlich und still, machte einen müde wie ein Schlafmittel. Die Stimme des Rabbi klang in jener beruhigenden Eintönigkeit, die die Jahre auf der Kanzel mit sich bringen. Zurück zu dem kleinen Laden in der Elmstreet gingen Fannys Gedanken und flogen dann voraus zu Haynes Cooper und dem Kampf, der ihr bevorstand. Um ihren Mund grub sich ein grimmiger Zug, der selten auf einem so jungen Gesicht erschienen sein mochte. Der Gottesdienst ging weiter. Jetzt kam das Orgelvorspiel zum Totengebet, dann sprach Rabbi Thalmann das Kaddisch. Fanny erhob