Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Fanny
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 380 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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380 MEN ORAH die sie mit einer Nuß verzierte, berühmt war. Sprachunkundigen Besuchern machte sie das Leben sehr schwer. Rabbi Thalmann saß schon in seinem Arbeitszimmer und Fanny eilte die Treppe hinauf. „Wer ist das, Emil? Diese Minna. Nächsten Montag ist ihre Woche um, sie geht." „Ich bin es, Frau Thalmann, Fanny Brandeis." „Ach, Fanny, sieh einmal an." In der hellerleuchteten Tür seiner kleinen Studierstube erschien Rabbi Thalmann. An einem Fuß trug er einen bequemen Pantoffel, am anderen einen Straßenschuh. Er streckte beide Hände aus. „Noch beim Abendbrot sprachen wir von dir, nicht wahr, Harriet," rief er in das verdunkelte Zimmer. „Ich kam, Ihnen Lebewohl zu sagen, und ich dachte, wir könnten zusammen in den Tempel gehen. Wie geht es heute Frau Thalmann?" Der kleine Rabbi schüttelte finster sein Haupt und machte eine traurige Handbewegung. Aber die war nur für Fanny bestimmt. Laut sagte er: „Es geht ihr heute wirklich ausgezeichnet. Ein bißchen müde vielleicht, aber das macht nichts." „Emil," kam es aus dem dunklen Schlafzimmer, „wie kannst du so etwas sagen? Wie kannst du nur? Was ich heute ausgestanden habe! Geradezu Folterqualen. Und weil ich nichts sage, bin ich nicht krank." „Geb zu ihr," sagte Rabbi Thalmann leise. So ging Fanny zu der Frau hinein, deren gelbes Gesicht in dem trüben altmodischen Schlafzimmer mit seinen Walnußmöbeln und roten Plüschbezügen in den Kissen fast versank. Frau Thalmann streckte ihre Hand aus. Fanny nahm sie und setzte sich an den Bettrand, sie streichelte die trockene, kraftlose Hand und hielt sie mit dem ihr eigenen starken, kräftigen Griff fest. Da hob Frau Thalmann den Kopf vom Kissen. „Hat sie ihre weiße Schürze?" „Minna, das Mädchen? Oh." Fanny erinnerte sich der unordentlichen, in Gingan gehüllten Gestalt, die ihr die Tür geöffnet hatte. „Ja," log sie, „eine wreiße mit Häkelspitze." Frau Thalmann sank mit einem erleichterten Seufzer in das Kissen zurück. „Ein Wunder," murmelte sie kopfschüttelnd. „Was dieses Mädchen nur verwTüstet, während ich hier hilflos liege." Rabbi Thalmann trat gerade ein. Er hatte nun beide Schuhe angezogen und stellte seine Pantoffel ordentlich, Zehenende nach außen, unter das Bett. „Ach, Harriet, das Mädchen ist ganz ordentlich, du bildest dir das