Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Fanny
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 378 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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378 MENORAH „Natürlich. Ihnen etwa nicht? Können Sie nichts machen? Petitionen?" „Natürlich fühle ich, daß es ein Unrecht ist, aber ich bin ja nur ein armer Narr von Priester und sentimental. Und hab' keinen Sinn für ,Geschäft*. Sie sind doch eine Geschäftsfrau und — anders." „Ich? Sie scherzen." „Hören Sie zu, mein Kind. Die Welt besteht aus zweierlei: aus Waldschluchten und Schutthaufen. Und die Müllfahrer drängen sich immer mehr vor und tauchen auf und versuchen die Waldschluchten zu beschmutzen und zu verderben, wenn niemand hinsieht. Sie haben Ihre Wahl getroffen und sich zur Partei der Schuttfahrer gesellt. Welches Recht haben Sie, sich gegen die Zerstörung der Waldschlucht zu wehren?" „Das Recht dessen, der sie liebt." „Mein Kind, Sie werden sich sehr daran gewöhnen, bei Haynes Cooper Waldschluchten verschüttet zu sehen, daß sie Ihnen nach einiger Zeit so besser gefallen werden." Fanny wandte sich leidenschaftlich um. „Nein. Oder vielleicht — das schadet vielleicht auch nichts. Man kann natürlich auch von Waldschluchten zuviel kriegen. Was wollen Sie denn von mir. Soli ich etwa hierbleiben und weiterwursteln und eine vertrocknete alte Jungfer werden wie Irma Klein, die dankbar ist, wenn verheiratete Leute sie mitnehmen und die in Wohltätigkeitsgesellschaften und Sonntag abends zu ihrer Kartenpartie geht. Ich könnte vielleicht auch einen Reisenden heiraten oder Lee Kohn vom ,Goldenen Adler'. Ich bin schließlich nicht anders als jede andere ehrgeizige Frau mit Verstand." „O doch, Sie sind'sl Sie sind ganz anders. Und ich werde Ihnen sagen warum: Sie sind Jüdin." „Ja, das ist mein Nachteil." „Das ist kein Nachteil, Fanny, das ist ein Vorsprung. Äußerlich sehen Sie so aus wie irgend ein Mädchen ihres Alters. Innerlich sind Sie durch ihre Beschäftigung, Erziehung, Religion, Geschichte, Temperament und Rasse in etwas ungeschmolzen worden —" „Die Ethnologen haben bewiesen, daß es gar keine jüdische Rasse gibt," unterbrach sie ihn hastig. „Hm, möglich, ich weiß nicht, wie Sie es sonst nennen wollen. Man kann doch nicht ein Volk lausend Jahre verfolgen, von Ort zu Ort jagen, in schmutzige, finstere Gassen sperren, ohne daß ihm irgend eine Marke bleibt, ein Kennzeichen, das es von anderen unterscheidet. Manchmal