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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 376

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Fanny
Date
1929-07-01
Page
Seite 376 (sequence 14)
Language
German
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376 MENORAH mächtige Gestalt im Türrahmen auf, neben der der Hilfsgeistliche zwergenhaft erschien und Vater Fitzpatrick erblickte das Mädchen im Vorgarten. „Ach, du mein Gott, Casey, Sie sind ja ein Narr. Wie Sie es weiter bringen konnten als bis zum Altarjungen, verstehe ich wirklich nicht. Kommen Sie, mein Kind, kommen Sie herein. Der Mann hätte Gefängniswärter werden sollen und nicht Priester!" Und damit nahm er Fannys Hände in seine große Rechte und führte sie in sein Zimmer. Es war das Zimmer eines Gelehrten — und eines Mannes, der einzige Raum im Hause, der den Wallen der Haushälterin, dem Besen und Staubtuch, trotzte. Eine behagliche und eigenartige Stube mit Büchern, Fischgerät und Sesseln mit ausgesessener Federung und einem Sofa mit behaglichen Gruben und mit vielen Pfeifen auf dem ungeordneten Schreibpult. Ein aufgeschlagenes Buch bedeckte ein Blatt Papier, worauf die nächste Sonntagspredigt skizziert zu sein schien. Fanny schaute zu dem Priester auf. Er schien endlos lang neben ihr, obwohl sie mittelgroß war. „Ich glaube, ich wollte mit Ihnen über die Waldschlucht sprechen, obwohl ich eigentlich gekommen bin, um mich zu verabschieden." „Setzen Sie sich zuerst, mein Kind, setzen Sie sich." Er selbst ließ sich in einen großen ledergepolsterten, quietschenden Schreibtischstuhl nieder. „Wenn Sie ohne Abschied fortgefahren wären, hätte ich Gasey bestimmt exkommuniziert. Auf uns beide hat es dieser Mann besonders scharf. Er sollte überhaupt den Posten der Duenna bei einer spanischen Jungfrau bekleiden, nicht den eines Hilfsgeistlichen mit starken fleischlichen Neigungen." Vater Fitzpatrick sprach mit einem — nein, man kann es nicht einen irischen Akzent nennen — es war bei weitem nicht so grob. Man spricht nicht von dem Geschmack eines seltenen Weines, man nennt es „Blume", ein feines aufreizendes Etwas, das die Sinne kitzelt, und nie derb wird. So war seine Sprache, sprunghaft und irrlichternd, von einem klingenden Reichtum, der sich nicht definieren läßt. „Sie gehen also fort? Ich habe davon gehört. Wohin?" „Nach Chikago, zu Haynes Cooper. Eine wunderbare Chance." Vater Fitzpatrick trommelte mit den Fingern auf der Sessellehne und schaute auf Fanny. Seine schönen Augen waren halb geschlossen. „Geschäft also, hm? Nun, das ist ja nur natürlich. Ihre Mutter und ich haben uns oft über Sie unterhalten. Ich weiß nicht, ob sie jemals ernst mit Ihnen von Ihrem Zeichen- und Karikaturtalent gesprochen hat oder was Sie sonst da besitzen. Sie hat jedenfalls viel darüber nachgedacht. Sie sagte mir einst, daß es ihr mehr schiene als ein Geschick. Eine an-

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