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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 375

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Fanny
Date
1929-07-01
Page
Seite 375 (sequence 13)
Language
German
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F ANNY 375 zu verschnüren. Wenn die Dinge ihr über den Kopf wuchsen, nahm sie ihren Hut und ging in der Dämmerung des Maitages spazieren. Fanny wanderte durch die sauberen Straßen der kleinen Stadt nach Westen und betrat die Brücke, die über die Waldschlucht führte, in der sie als kleines Mädchen gespielt und die ihre kindliche Phantasie mit Scharen von Rothäuten, Priestern, Reisenden und Kavalieren bevölkert hatte. Sie beugte sich über die Eisengitter und schaute hinab. Wo Gras und Bach und wilde Blumen gewesen waren, starrten ihr jetzt Aschenhaufen, Zinnkannen, zerbrochene Flaschen und Abfall entgegen ■— Winnebagos Wachstumschmerzen hatten begonnen. Fanny wandte sich mit einem wehen Gefühl ab, Sie schritt weiter und über die Brücke und an der katholischen Kirche vorbei — dicht bei dieser stand das Pfarrhaus, wo Vater Fitzpatrick lebte. Es schaute immer so aus, als wäre es von innen und außen mit einem Putzstein abgerieben worden. Seine Fenster waren ein Vorwurf und eine Herausforderung für jede Haushälterin in Winnebago. Fanny hatte das Bedürfnis, mit irgend einem Menschen über die Waldschlucht zu sprechen — sie konnte nicht davon lassen und die Fenster von Vater Fitzpatricks Studierslu.be sahen gerade darauf hin. Außerdem wollte sie ihn besuchen, bevor sie Winnebago verließ. Das Bild seines schönen gebräunten Gesichtes mit den fröhlichen Augen tauchte vor ihr auf — wie sie es zusetzt gesehen hatte, als er zu einem kurzen Schwatz in den Brandeis-Bazar getreten war. Sie trat durch das Gartentor und stieg die makellos sauberen Stufen empor, die immer glänzten, als ob sie frisch gestrichen wären. „Es würde mich nicht wundem, wenn diese Haushälterin jeden Morgen mit einem Eimer voll Farbe herauskäme und vor dem Frühstück die Stufen striche,44 dachte Fanny, während sie klingelte. Gewöhnlich öffnete die schinächtige Person mit der Brille selbst die Tür des Pfarrhauses. Aber als Fanny heute schellte, kam Vater Casey, der Hilfsgeistliche, ein sauertöpfischer, griesgrämiger Mann, mit einem dicken Kneifer und einer gebogenen Nase, aus dem Haus. Er lebte noch nicht lange in Winnebago, aber er kannte Fanny und betrachtete sie finster. ,,Der ehrwürdige Vater arbeitet", und die Glastür wollte sich auch schon schließen. „Wer ist hier," ertönte eine Stimme von drinnen, „wen schicken Sie denn weg, Casey?" „Ein Mädchen, sie gehört nicht zur Gemeinde." Schon halte sich die Tür fast ganz geschlossen, als innen Schritte näher kamen. „Lassen Sie sie doch herein." Die Tür öffnete sich widerstrebend. Nim tauchte Vater Fitzpatricks

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