Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 7 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Article
- Fanny
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 374 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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374 MENORAH wissermaßen von selbst entwickelt. Die Größe der Sache nahm Fanny ein. Hier handelte es sich um eine Organisation, deren Arme die Welt umspannte. Haynes Cooper, das führende Versandhaus, aß, wie man sagte, jeden Morgen einen Kleinstadtkaufmann zum Frühstück. „Es gibt einen Haynes Cooper-Katalog in jeder Bauernküche," pflegte Molly Brandeis zu sagen, „die Bibel ist in der guten Stube, aber der Haynes Cooper ist in dem Zimmer, in dem sie sich aufhalten." Daß sie gerade mit diesem Unternehmen in Fühlung treten sollte, reizte Fanny Brandeis' Sinn für Humor. Noch hörte sie die Mutter den widerstrebenden Bauersleuten ihre Einwände darlegen, wenn sie darauf bestanden, ihren Ofen, ihr Geschirr, ihren Pflug oder ihre Küchenwaren aus dem bezaubernden Katalog auszuwählen. „Ich glaube wirklich, sie tun es nur aus Sensationslust", sagte sie oft. ,,Es ist so aufregend, wenn eine Kiste aus Chikago kommt, die sie öffnen können und auspacken, was sie nach einem Buch gewählt haben, ohne zu wissen, ob es für sie taugt oder nicht." Ihre Einwände machten für gewöhnlich dem Bauer keinen Eindruck. Er fuhr in die Stadt, gab seinen mühsam geschriebenen Brief auf dem Postamt auf, entledigte sich seiner Ladung Äpfel, Butter, Käse oder Gemüse und fuhr fröhlich wieder zurück, während sein leerer Wagen auf dem Knüppeldamm holperte und ratterte. Transportkosten, Bruchschaden und Risiko, Verpflichtung gegen seine Heimatgegend — all diese Argumente ließen ihn kalt. Im Mai kam nach vielem Hin und Her, Korrespondenzen und Interviews ein direktes Angebot von der Haynes Cooper-Gesellschaft. Der Gehalt war kleiner als der seinerzeit von dem Statestreet-Geschäft gebotene; und es war etwas Unverbindliches an der ganzen Vereinbarung. Haynes Cooper bot wenig und forderte viel, wie alle Reichen und Mächtigen. Aber Fanny dachte an den Rat von den zehn Jahren, den ihr der müde, kluge, alte Reisende gegeben hatte. Und sie nahm an. Sie sollte sogleich nach Chikago fahren, um ihre Stellung am 1. Juni anzutreten. Zwei Gespräche, die sie noch vor ihrer Abreise führte, sind vielleicht erwähnenswert. Das eine mit Vater Fitzpatrick von der katholischen Ignatiuskirche, das zweite mit Rabbi Emil Thalmann vom Tempel Emanu-el. Hiine Woche, bevor sie Winnebago verließ, machte sie sich nämlich, einem Impuls folgend, zu Vater Fitzpatrick auf. Sie war müde. Es gab zum Schluß noch Papiere zu unterschreiben, Kisten zuzunageln, Koffer