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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 372

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Fanny
Date
1929-07-01
Page
Seite 372 (sequence 10)
Language
German
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372 MENORAH Fanny hatte alle Möglichkeiten in Betracht gezogen, die direkt oder indirekt ihren ehrgeizigen Wünschen dienlich sein konnten. Sie bekam zwei Anträge von Detailgeschäften in Milwaukee. Aber sie zog sie keinen Augenblick lang ernsthaft in Betracht. Auch ein Antrag eines zweitrangigen Geschäftes in Chikago (es lag auf der falschen Seite von State-Street) führte sie nicht in Versuchung. Sie kannte ihren Wert und konnte es sich leisten, zu warten. Es war Geld genug da, um in Ruhe leben zu können, bis die wirkliche Chance kam. Sie übersah ihr Material bis ins kleinste und rechnete sich geizig ihre Eigenschaften vor: ausgesprochen gutes Benehmen, dieses ungreifbare Etwas, das man Magnetismus nennt, Verstand, Phantasie, Energie, Gesundheit, Jugend und als wichtigstes von allem, weil kein Geld es erkaufen konnte und keine Erziehung es gewähren kann: Erfahrung — eine unüberwindliche Waffe, die nur in inniger Berührung mit Menschen geschmiedet wird und sich schärft, indem sie sich an den Rauheiten dieser Welt reibt. Im April kam dann ihre Chance, kam in der beiläufigen, zufälligen Art, die den Ereignissen des Augenblicks anhaftet. Auf der Elmstreet traf sie einen Reisenden, von dem Molly Brandeis seit Jahren gekauft hatte. Er stellte seine beiden MusterkofTer zu Boden, schüttelte Fanny beide Hände und betrachtete sie eingehend und wohlgefällig, aber ohne jede Frechheit. Er war ein kluges, wegmüdes, erfahrenes Mitglied seiner Gilde, ein Mann, der in dieser jahrelangen Arbeit ergraut und ein wenig bitter geworden wyar. Vielleicht kam diese Bitterkeit aber auch zum Teil von der chronischen Magenverstimmung des Reisenden, die durch das ständige Essen in Kleingasthöfen bedingt ist. „Also Sie haben ausverkauft?" ,,Ja, schon vor mehr als einem Monat." „Hm, ein hübsches kleines Geschäft, das, und die Mama hat sich's selbst aufgebaut. Das war eine Frau, Herrgott nocheinmal! Diskontierte ihre Rechnungen in den ärgsten Zeiten." Fanny lächelte ein nachdenkliches, kleines Lächeln. „Was Sie da sagen charakterisiert meine Mutter völlig. Ihr Leben war eine Serie solcher ,ärgster Zeiten4. Aber sie verlor niemals den Kopf und sie diskontierte immer." Er streckte die Hand aus. „Ich freue mich, daß ich Sie gesehen habe." Dann hob er seine Musterkoffer in die Höhe. „Sie verlassen Winnebago?" „Ja." „Gehen wahrscheinlich in die Stadt? Nun, Sie sind ein tüchtiges

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