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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 371

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Fanny
Date
1929-07-01
Page
Seite 371 (sequence 9)
Language
German
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FANNY 371 Würze von Essig und Mixed Pickles erfüllt war, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen machten. Auf dem Herd stand dann der große Einmachkessel, worin die Geleegläser und Jamtöpfe mit ihren Deckeln und Griffen im heißen Wasser umhertanzten. Im großen Steingutkessel wurden die Früchte gesotten und Molly Brandeis, in die vertraute blau-weiße Schürze gehüllt, stand wie eine Priesterin dabei und rührte, langsam und rhythmisch. Ihr Gesicht war vom Dampf erhitzt und feucht und schien sehr müde; denn oft kam sie völlig erschöpft aus dem Laden, um dann noch bis zehn oder elf Uhr am Kessel zu stehen. Aber dieser Stolz, wenn sie die goldenen oder rubinroten Gläser zählte, die in Reihen geordnet auf dem Küchentisch auskühlten. ,,15 Gläser Weintraubenmarmelade, Fanny, und ich habe nicht ein Stückchen Apfel dazugegeben! Ich hätte nicht gedacht, daß es mehr als zehn werden — und neun Gläser Kiltenkäse, das macht, wart einmal, 83, 98, zusammen 107." „Das werden wir nie aufessen, Mutter." „Das hast du schon im letzten Jahre gesagt und im April war meine Einmachkammer wüst und leer." Aber Frau Brandeis war auch berühmt für diese Kunst, das konnten Vater Fitzpatrick und Aloisius und Dr. Thalmann und ein Dutzend anderer bezeugen. Irgend etwas an diesem heimatlichen Ilaushaltbrauch gab Molly Brandeis nach den Anstrengungen und Aufregungen eines Geschäftstages ein Gefühl von Frieden und Ruhe. Aber jetzt stand Fanny auf, schritt mit der Schürze in der Hand die Treppe hinunter, öffnete die Tür, die in den Keller führte, stieg langsam die Stufen hinab und trat zum Backofen. Sie ölTnete die Ofentür. Purpurrot lag das Kohlenbett vor ihr und kleine weiße Flammengeister tanzten darüber hin. Fanny starrte einen Augenblick gebannt in die Glut. Ihr Gesicht war hart, ihre Augen glänzten. Plötzlich warf sie die fest zusammengerollte Schürze mitten in das Herz der glimmenden Masse und schloß die Augen. Das Feuer schien einen Augenblick den Atem anzuhalten, dann sprang es aufkeuchend seine Beute an . . . Das Bündel schien steifer zu werden, dann drehte es sich, schrumpfte zusammen, sank als ein schwarzes Häufchen hin, löste sich auf. Purpurrot wie vorher glühte das Feuer, nur in der Mitte ein schwarzer Fleck. Fanny schauerte, schloß die Backofentür und stieg die Treppe wieder hinauf. „Es riecht, als ob etwas angebrannt wäre, ein Stoff oder so was," rief Anny aus der Küche. „Nur eine alte Schürze, die in meine Schreibtischlade gestopft war."

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