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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 364

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Fanny
Date
1929-07-01
Page
Seite 364 (sequence 2)
Language
German
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364 MENORAH hatten. Sein Geist war zwar rege, reichte aber doch nicht an ihren heran. Aber beiden gemeinsam war Sinn für das Komische und Sinn für das Tragische und eines Tages bemerkten sie, seltsam genug, daß sie demselben Gott dienten; eines von all diesen Dingen wäre schon Grund für eine Freundschaft gewesen. Dazu kam noch, daß Molly Brandeis irische Geschichten unnachahmlich erzählen konnte und von Vater Fitzpatrick mußte man die von „Ikey und dem Groschen" gehört haben. Nun, der katholische Priester, der scheinbar mit solch achtungsvoller Aufmerksamkeit zuhörte, vernahm in Wahrheit wohl nur sehr wenig von dem, was Rabbi Thalmann zu sagen hatte. .. Hermann Walters von der Nationalbank in Winnebago war auch hier — er, dessen Besuche einst solch ein Schrecken für Molly Brandeis gewesen waren; und Augustus Gerretson, mit drei Abteilungsleitern. Emil Bauer saß gerade hinter ihm. In einer Ecke lehnte Sadie, einst kokett, nun sehr gedrückt und in allem Monate hinter der Mode zurück, Babysachen ausgenommen; in einer anderen stand Hen Cody, der alle Fuhren für Frau Brandeis gemacht hatte, in feierlichem Schwarz neben Major A. J. Daw.es. Die Gemeinde Emanu-el war fast vollzählig hier. Die Stützen der jüdischen Frauenhilfsaktion saßen in einer Reihe. Sie hatten Frau Brandeis nie mit einer Stelle in ihrem Verein beehrt — die Frau, die seine Geschäfte in politischer und sozialer Wirksamkeit mit gebundenen Händen und geschlossenen Augen hätte führen können. In der Küche, auf dem Hofe und im Gange standen einige unbekannte Leute, Frauen, deren Fingerspitzen aus ihren Zwirnhandschuhen lugten und deren Röcke ein wenig komisch hinter ihnen herschleiften. Nur Molly Brandeis hätte ihren Namen nennen können. Frau Brosch, die Butter- und Eierfrau, stand in der Eßzimmertür. Sie hatte ein Pfund Butter gebracht, das war ihr Beitrag zur „Fleischpastete" des Begräbnismahles, und ihre Gabe verstohlen auf den Küchen lisch gelegt. Birdie Callahan, die Oberkellnerin des Hotels „Hely House", hatte gerade neben der eleganten Frau Morehouse, die in der Golfklubgesellschaft tonangebend war, Platz gefunden. Wenn Birdie Callahan im Speisesaale im weißen, steif gestärkten Kleide amtierte, glich sie wirklich einer jungen hochmütigen Dame; aber unter der Eiskruste ihres Hochmutes barg sich Humor und freundliche Wärme. Es war viel Gemeinsames zwischen ihr und Molly Brandeis gewesen. Fanny fühlte die Anwesenheit all dieser Leute nur unbestimmt; vielleicht aber fand sie sogar einen geringen Trost in dieser Gegenwart. Ihr Schmerz war nicht der tränenlose Schmerz der Starken" (so heißt

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