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Menorah · 1929-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1929) · p. Seite 347

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
7 (1929)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1929)
Article
Mosaiksteine zur Kultur- und Sanitätsgeschichte der posenschen (großpolnischen) Juden am Ausgang des 18. Jahrhunderts
Date
1929-07-01
Page
Seite 347 (sequence 13)
Language
German
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MOSAIKSTEINE 347 IX. Für eine wahrhaft fruchtbare Bekämpfung der schwersten Volkskrankheiten und Epidemien konnten aber weder jüdische noch christliche Feldscherer und Chirurgen genügen — weder an Kenntnissen noch an Zahl —, und die Lücke, die blieb, wurde auch durch die studierten Ärzte, mochten es nun Polen, Deutsche oder Juden sein, nicht geschlossen. Es herrschte ohne Frage ein Mangel an studierten Ärzten in Polen, besonders in den an Preußen abgetretenen Gebieten62). Das lag hauptsächlich in den unzulänglichen wirtschaftlichen Verhältnissen begründet, Die kleinen Städte, mit denen das Land überzogen war, boten nur in seltenen Fällen die Grundlage für eine gesicherte Existenz, fast nur in den mittleren Städten63) und in den Hauptstädten der Landschaften konnten sich die ordentlichen Ärzte halten. Unter diesen Ärzten gab es getreu alten guten Traditionen auch eine Reihe von Juden, und zwar annähernd in dem Prozentsatz, in dem die Juden unter der städtischen Bevölkerung vertreten waren. Gezwungen im Auslande zu studieren, hatten die in Großpolen gegen Ende des 18. Jahrhunderts wohnhaften jüdischen Ärzte ihre Ausbildung zumeist in dem benachbarten Preußen, in Frankfurt a. d. Oder und Königsberg, in Berlin und Halle und auf der mecklenburgischen Universität B ü t z o w genossen. Dort hatten sie auch zumeist Fühlung mit dem Geist der Aufklärung genommen und dort die Formen sich angeeignet, die sie zum Verkehr mit den Großen des Landes befähigten, die — wie auch das Stadtpublikum — ihre Hilfe gern in Anspruch nahmen. Obgleich gerade noch im 18. Jahrhundert infolge des Wiederauftauchens der Blutbeschuldigung jüdischen Ärzten und Hebammen das Praktizieren unter Christen erneut verboten war64), kehrte sich die christliche Bevölkerung nicht an diese Verbote, sondern gab sich ruhig in die Hand der jüdischen Ärzte und gewährte ihnen sogar ehrende Bevorzugung vor ihren jüdischen Brüdern. So durften beispielsweise zu Beginn der preußischen Zeit die Posener jüdischen Arzte außerhalb der Judenstadt wohnen65), und in Kaiisch besaß der jüdische Arzt Hofrat Dr. med. Meyer zwei Häuser am Markt und ein Vorwerk vor der Stadt66). Bei dem Stande des Materials ist es natürlich schwer möglich, genau anzugeben, in welchen Orten zur Zeit der Besitzergreifung jüdische Ärzte wohnten. Wenn wir von Städten absehen, die wie

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